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Wöchentliches Investment Update – COVID-19: Gibt es Licht am Ende des Tunnels?

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BNP Paribas Asset Management
 

Die Aktienmärkte haben das neue Jahr zögernd begonnen. Das Basisszenario, dass das Ende der Pandemie in Sicht ist und das Leben bis zum Sommer mehr oder weniger wieder normal ist, wird durch strengere Lockdowns und die langsamere Verteilung des Impfstoffs als erwartet in Gefahr gefährdet.

Steigende Fallzahlen erhöhen Aussichten auf strengere Lockdowns

Am ersten Handelstag des neuen Jahres mussten die US-Aktien ihren stärksten Rückgang seit Oktober hinnehmen, da die immer größere Zahl an Corona-Fällen die Aussichten auf teurere Lockdown-Maßnahmen in einigen der größten Volkswirtschaften der Welt zunehmen ließ. Das Auftreten neuer, ansteckenderer Varianten des Coronavirus im Vereinigten Königreich und Südafrika Mitte Dezember wird die Auswirkungen der Pandemie möglicherweise noch verschlimmern.

Diese Mutationen scheinen bisher zwar nicht tödlicher zu sein, aber offensichtlich ansteckender. Pro zehn Menschen, die in Großbritannien durch frühere Varianten ansteckten, infiziert die neue 15.

Um die Überlastung der Krankenhäuser durch zu viele Patienten zu vermeiden, sah sich die britische Regierung daher zur erneuten Verhängung eines strengen Lockdowns gezwungen, einschließlich der Schließung der Schulen bis Mitte Februar. In Deutschland wurde der Lockdown bis Ende Januar verlängert, da man dort Probleme hat, die zunehmende Zahl neuer Infektionen unter Kontrolle zu bringen. In den USA haben mehrere Bundesstaaten aufgrund des starken Anstiegs der COVID-19-Fallzahlen und Todesfälle neue Einschränkungen angeordnet, um die Überlastung der Krankenhäuser zu verhindern.

Bisher wurden nur einzelne Fälle der COVID-19-Varianten in etwa 25 Ländern einschließlich der USA festgestellt. Das könnte allerdings darauf zurückzuführen sein, dass – anders als im Vereinigten Königreich und Südafrika – in den meisten Ländern nur wenig Genomsequenzierung durchgeführt wird, um derartigen Mutationen auf die Spur zu kommen.

Verteilung der Impfstoffe – Langsamer als erwartet

In den USA, im Vereinigten Königreich und in Japan bemühen sich die Regierungen, bis zum zweiten Quartal 2021 Impfstoff für mehr als 70% der Bevölkerung zu erhalten, in der EU und anderen Ländern bis zum dritten Quartal. Im Vereinigten Königreich, den USA, Kanada und der EU begannen die Impfungen im Dezember. Im Vergleich zu den Zielen, die sich die Regierungen der USA und des Vereinigten Königreichs gesetzt haben, gingen die Impfkampagnen bisher allerdings langsam voran. In der EU impfte man in Frankreich langsamer als in den anderen Mitgliedstaaten. Die Regierungen beabsichtigen, den Impfrhythmus für prioritäre Bevölkerungsgruppen im ersten und zweiten Quartal des neuen Jahres zu beschleunigen und die Impfungen im dritten und vierten Quartal der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die höhere Ansteckungsgefahr durch die neuen COVID-19-Varianten könnte eine höhere Mindest-Durchimpfungsrate nötig machen. Das Basisszenario geht weiterhin davon aus, dass in den Industrieländern bis zum vierten Quartal dank der Impfungen eine Art Herdenimmunität erreicht werden kann.

In den Schwellenländern hängt die Versorgung mit Impfstoff von der Einwohnerzahl und bilateralen Vereinbarungen ab. In China, Singapur, Mexiko, Argentinien, Chile, zur EU zählenden Schwellenländern, Russland, Israel, Saudi-Arabien, Marokko, den VAE, Bahrain, Kuwait, Katar und Oman haben bereits Impfkampagnen begonnen. China plant, vor dem chinesischen Neujahr Mitte Februar 50 Millionen Menschen (3,5% der Bevölkerung), unter anderen Fachkräfte des Gesundheitswesens, zu impfen. In Indien sollen bis August 300 Millionen Menschen aus den prioritären Gruppen (22% der Bevölkerung) geimpft werden. In Israel und Chile könnten die Impfkampagnen bereits im zweiten Quartal 2021 abgeschlossen sein.

Alles in allem war die Euphorie im Zusammenhang mit den Impfungen möglicherweise voreilig. Es wird klar, dass es selbst mit einem wirksamen Impfstoff eine große logistische Herausforderung sein wird, diesen an genügend Menschen weltweit zu liefern, um eine Herdenimmunität zu erreichen. Das könnte durchaus mehr Zeit in Anspruch nehmen als erwartet.

US-Politik – Wird Georgia die Reflation ankurbeln? 

Am 5. Januar fanden die beiden Senats-Stichwahlen im US-Bundesstaat Georgia statt, die nötig wurden, nachdem keiner der Kandidaten bei der Wahl am 3. November mehr als 50% der Stimmen erhalten hatte. Die Nachrichtenagentur Associated Press erklärte bereits den demokratischen Kandidaten Raphael Warnock zum Sieger, während das Ergebnis der anderen Stichwahl noch aussteht.

Ein weiterer Sieg eines demokratischen Kandidaten würden den Demokraten die Kontrolle über den Senat verleihen und bis zum Frühjahr eine weitere Runde fiskalischer Stimulusmaßnahmen im Wert von mehreren Milliarden Dollar – einschließlich Schecks für die Haushalte und Unterstützungsmaßnahmen für Kleinunternehmen und Arbeitslose – ermöglichen.

Im weiteren Jahresverlauf bzw. im Jahr 2022 könnten dann Infrastruktur-Maßnahmen bzw. Änderungen im Gesundheitswesen, die durch höhere Steuern finanziert werden sollen, verabschiedet werden. Wesentliche Gesetzesänderungen in anderen Bereichen als der Fiskalpolitik scheinen dagegen unwahrscheinlich. Eine umfassende Analyse der Folgen eines Wahlsiegs der Demokraten liefert unser US-Ökonom Mark Allan in dieser Veröffentlichung.

Die Märkte reagieren auf die Aussichten auf größere fiskalpolitische Impulse

Am deutlichsten wirkten sich die Neuigkeiten aus Georgia auf die US-Treasuries aus: Nach der Stichwahl in Georgia überstieg die Rendite zehnjähriger US-Treasuries zum ersten Mal seit März die 1%-Schwelle (siehe nachstehendes Diagramm 1). Die Renditekurve der US-Treasuries versteilerte sich, und der Verlauf der Kurve zwischen den zwei- und zehnjährigen Laufzeiten ist jetzt so steil wie zuletzt 2017. Offensichtlich lassen die Aussichten auf eine ausschließlich demokratische Regierung unter Joe Biden neue Hoffnung auf Reflation entstehen.

Eine wichtige Frage für 2021 lautet, ob diese über eine gesunde Reflation hinausgehen wird, die der Volkswirtschaft im Anschluss an die Pandemie Auftrieb verleiht, und letztendlich Inflation zur Folge haben wird. Wir erwarten (genau wie der Markt) eine Reflation, aber keine nachhaltige Inflation. Wir rechnen mit einer Erholung der Volkswirtschaft, gehen aber nur von einem begrenzten Anstieg der Zinsen aus. Halten Sie sich auf dem Laufenden, denn die Entwicklung der Inflation wird für Anleger im Jahr 2021 wesentlich sein.

Diagramm 1 Die Rendite der zehnjahrigen US-Treasuries

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