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Wöchentliches Investment-Update – 30. September 2020

Blog

Marina CHERNYAK
 

Die Zahl der neuen COVID-19 Fälle stiegen weiter, und einiges deutet darauf hin, dass neue Einschränkungen erforderlich werden könnten, um die Pandemie unter Kontrolle zu bekommen. In den USA wartet man immer noch auf eine weitere Runde fiskalischer Unterstützung. Die ist nicht nur nötig, um dem neuen geldpolitischen Rahmen der Federal Reserve zum Erfolg zu verhelfen, sondern auch als Reaktion auf Zeichen für eine Verlangsamung der Erholung. Die Bewertungen der Aktien schwankten zwischen Konsolidierungsetappen und Hoffnung auf mehr Stimulus.

COVID-19-Update – Steigende Zahlen

Die Fallzahl ist in der letzten Woche weltweit auf über 33,9 Millionen gestiegen und die Zahl der Todesopfer hat mittlerweile die Grenze von einer Million überschritten. In Westeuropa nehmen die Neuinfektionen ständig zu. Auch in den USA scheint sich die COVID-19-Situation nach einer kurzen Verschnaufpause wieder zu verschlechtern.

In Spanien und Frankreich ist der stärkste Anstieg der Fallzahlen zu verzeichnen. Gemessen an den Fällen pro Kopf liegen beide Länder vor den USA. Die Zahl neuer Fälle hat sich offensichtlich inzwischen von der Zahl der Todesopfer losgelöst. Dafür sind verschiedene Faktoren verantwortlich:

  • Ein „Eisberg-Effekt“ – inzwischen wird ein wesentlich größerer Anteil der tatsächlichen Fälle registriert als im März oder April.
  • Bessere Behandlungen und bessere Medikamente sorgen aktuell für niedrigere Sterblichkeitsraten.
  • Die meisten Fälle treten derzeit unter jungen Menschen auf, die im Allgemeinen weniger empfindlich sind.

Die ersten beiden Faktoren sollten fortbestehen, der dritte allerdings nicht, da die jungen Menschen die älteren mit der Krankheit anstecken. Das ist derzeit das Hauptproblem der Behörden.

Aktuelle Daten über Krankenhausaufenthalte und Einweisungen auf Intensivstationen aus Großbritannien, Frankreich und Spanien deuten darauf hin, dass sich das Virus nun auf alle Altersgruppen ausbreitet. Dennoch werden die Krankenhausaufenthalte und Einweisungen auf Intensivstationen erneut von älteren Altersgruppen dominiert. Die Sterblichkeitsraten sind relativ niedrig geblieben, aber zahlreiche Studien zeigen, dass höheres Alter, Empfindlichkeit und Begleiterkrankungen zu schlechten Behandlungsergebnissen bei COVID-19-Patienten beitragen.

Bessere Behandlungen, verstärktes Testen und ein Impfstoff im nächsten Jahr machen uns Hoffnung für eine allmähliche Normalisierung der Konjunkturaktivität. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass sie das Virus völlig verschwinden lassen oder räumliche Distanzierung und Mobilitätsbeschränkungen 2021 ein Ende setzen.

Konjunkturdaten – von verschärften Beschränkungen betroffen

Die steigende Zahl an gezielten Maßnahmen, um die Ausbreitung von COVID-19 unter Kontrolle zu bekommen, spiegelt sich inzwischen in den Mobilitätsindikatoren wider. So geht beispielsweise der Luftverkehr in Europa zurück. Die Angst vor den Auswirkungen drastischerer Einschränkungen auf den Dienstleistungssektor wurde an den schwächeren Einkaufsmanagerindizes (PMI) für Dienstleistungen im September in den größten europäischen Volkswirtschaften deutlich.

Enttäuschende Daten in Deutschland deuten auch darauf hin, dass sich der Dienstleistungssektor langsamer erholen wird als erwartet. Sollte sich die epidemiologische Situation in der Eurozone nicht schnell verbessern, gehen wir von einem größeren konjunkturellen Risiko während des letzten Quartals des Jahres aus.

Die Indikatoren für die Konjunkturaktivität in den USA zeigen nach wie vor eine relativ zügige Erholung, wobei die am stärksten zinssensitiven Sektoren – Wohnimmobilien und Automobilverkäufe – die beste Performance erzielen. In den USA sind die Importe, die inzwischen wieder ihr Niveau von vor der Corona-Krise erreicht haben, ein weiterer Hinweis darauf, dass die US-Verbraucherausgaben von den aggressiven fiskalischen Stimulusmaßnahmen getragen wurden.

Im weiteren Verlauf dürften die Verbraucherausgaben allerdings – mit einer gewissen Verzögerung – sinken, da der positive Effekt der fiskalischen Unterstützung auf die US-Verbraucher abklingt.

Märkte – Aktien gehen zurück

Im September stieg die Volatilität an den Aktienmärkten erneut. Nachdem die Indizes der Industrieländer sich lange positiv entwickelt hatten, gingen sie in diesem Monat zurück. Am Mittag des 30. September verzeichnete der US S&P 500-Index in US-Dollar ausgedrückt einen Rückgang um 4,71 % (wobei er sich allerdings seit Jahresanfang um 3,24 % verbessert hat).

Es handelt sich um den ersten Monat mit negativer Performance nach fünf aufeinanderfolgenden Monaten, in denen der S&P 500 jeweils gestiegen war. In Europa verzeichnete der EuroSTOXX 50 am Mittag des 30. September einen Rückgang um 2,32 % und ist seit Jahresanfang um 14,64 % rückläufig.

Hohe Liquiditätsspritzen der Zentralbanken ließen die Aktienmärkte im früheren Jahresverlauf steigen. Diese Liquidität hilft jetzt offensichtlich nicht mehr so wirksam, die Sorgen des Marktes um eine schwächere Konjunkturerholung zu zerstreuen. Ein weiterer Faktor, der auf der Stimmung an den Finanzmärkten lastet, sind Zeichen dafür, dass nicht unbedingt sofort mit neuen fiskalischen Stimulusmaßnahmen zu rechnen ist.

Die Tatsache, dass Entscheidungsträger der US Federal Reserve klar zu verstehen gaben, dass der Wirksamkeit ihrer geldpolitischen Maßnahmen ohne fiskalischen Stimulus Grenzen gesetzt sind, verdüstert die Aussicht zusätzlich.

Korrektur oder Neuausrichtung?

Die Frage ist nun, ob es sich bei diesem Ausverkauf um eine Korrektur in einem anhaltenden Bullenmarkt für Aktien handelt oder um den Beginn einer Neuausrichtung der Bewertungen auf die wirtschaftlichen Fundamentaldaten.

Wir rechnen weder in Europa noch in den USA mit einer Verbesserung der Fundamentaldaten von Volkswirtschaft und Unternehmen. Die Verlangsamung der Erholung ist eindeutig.

Die eigentliche Frage lautet jetzt, ob die Fed und die Europäische Zentralbank ihre geldpolitische Vorherrschaft wieder behaupten können und inwieweit zusätzliche politische und wirtschaftliche Unsicherheit die Stimmung unter den Anlegern weiter belasten wird. Aufgrund unseres mittelfristig konstruktiven Ausblicks für risikoreiche Anlagen bleiben wir vorsichtig optimistisch.


 

Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen. Die in diesem Podcast zum Ausdruck gebrachten Ansichten dürfen keinesfalls als Anlageberatung betrachtet werden.

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