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Wöchentliches Investment-Update – 26. August 2020

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Marina CHERNYAK
 

Das Wiederaufflackern der COVID-19-Fälle in Europa bereitet weiter Sorgen. Die US-Aktien liegen nach wie vor nahe bei ihren jüngsten Höchstständen. Die für morgen geplante Rede des Fed-Vorsitzenden Powell wird ungeduldig erwartet und dürfte für die Märkte diese Woche das wichtigste Ereignis sein.

COVID-19 – nach wie vor ein gemischtes Bild

Bis zum 25. August wurden etwa 24 Millionen COVID-19-Fälle und mehr als 800.000 Todesopfer registriert.

Nachdem die USA mehrere Monate lang im Mittelpunkt des Interesses gestanden hatten, richtet sich der Fokus erneut auf Europa, wo die Zahl der gemeldeten Fälle in den letzten Wochen wieder deutlich gestiegen ist, was allerdings bisher nicht mit einer entsprechenden Zunahme der Krankenhauseinweisungen und Todesfälle einherging. Das spiegelt vor allem eine Kombination aus zwei wichtigen Faktoren wider:

  • Erstens hat sich die Fallzahl aufgrund eines Phänomens, das man salopp als „Eisbergeffekt“ bezeichnen könnte, wahrscheinlich von den Krankenhauseinweisungen und Todesfällen abgekoppelt. Zu Beginn der Krise gab es nur beschränkte Testkapazitäten, und man testete typischerweise die Personen auf COVID, die bereits akute Symptome aufwiesen. Es gab ohne Überraschung einen recht engen Zusammenhang zwischen den Fallzahlen und den Krankenhauseinweisungen und Todesfällen, denn was wir aus nächster Nähe beobachteten, waren die schlimmsten Fälle. Die meisten Menschen, die sich mit dem Virus infizierten und nur leichte Symptome aufwiesen, brauchten keine Krankenhausbehandlung. Sie wurden nicht getestet und daher auch nicht in den Statistiken berücksichtigt. Da es inzwischen mehr Testkapazitäten gibt, werden wir weiterhin die akuten Fälle erfassen, können aber darüber hinaus wesentlich mehr harmlosere Fälle identifizieren und registrieren. So lange die Testkapazitäten nicht weniger werden, kann man durchaus davon ausgehen, dass die Entwicklung weitergeht wie bisher.
  • Zweitens hat sich die Quote der Fallzahlen geändert. Im Vereinigten Königreich hat die Zahl der Fälle beispielsweise in den letzten Wochen in fast allen Altersgruppen außer bei den über 70-jährigen zugenommen, aber besonders bei den unter 40-jährigen war ein starker Anstieg zu verzeichnen. Diese Verlagerung der Fallzahlen von denjenigen, bei denen die Wahrscheinlichkeit akuter Symptome am größten ist hin zu den Gruppen, die mit der geringsten Wahrscheinlichkeit akute Symptome aufweisen werden, wird zwangsweise für eine Abkoppelung der Fallzahlen von den Krankenhauseinweisungen und Todesfällen sorgen. Ob diese Entwicklung anhalten wird, ist weniger klar. Sollte sich das Virus wieder stärker in den jüngeren Bevölkerungsgruppen ausbreiten, könnte es schwierig sein, zu verhindern, dass es die älteren Bevölkerungsgruppen erreicht, die anfälliger sind – besonders, wenn man die Möglichkeit der Übertragung innerhalb von Haushalten betrachtet. Das würde wiederum innerhalb kürzester Zeit zu steigenden Krankenhauseinweisungen und Todesfällen führen.

Diese Situation gibt eindeutig Anlass zur Sorge. Das deutsche Robert Koch Institut warnte die gesamte Bevölkerung, weiterhin ständig die Regeln zur räumlichen Distanzierung einzuhalten, auch im Freien, und gegebenenfalls die Gesichtsmasken korrekt zu tragen. Die wichtigste politische Reaktion bestand darin, das Tragen von Gesichtsmasken in immer größeren Teilen des öffentlichen Raums vorzuschreiben, einschließlich in Klassenräumen. Wir vermuten, dass derartige wirksame Maßnahmen ausreichen werden, um eine neue Gesundheitskrise wie im Frühjahr 2020 und einen neuen, vollständigen Lockdown zu vermeiden. Eine größere Zahl an Todesfällen ist dagegen wahrscheinlich, und wir weisen darauf hin, dass der französische Ministerpräsident nichts ausschließt.

Impfstofftests auf dem richtigen Weg

Zu den etwas positiveren Neuigkeiten zählt, dass wir inzwischen seit vielen Monaten die Fortschritte des Forschungsteams der Oxford University bei der Entwicklung eines Impfstoffs mitverfolgen und dass sich in dieser Hinsicht positives abzeichnet: Die Tests, die im Vereinigten Königreich, in Brasilien, Südafrika und bald auch in den USA laufen, sind nach wie vor auf dem richtigen Weg. Professor Andrew Pollard kommentierte, dass „es auch einfach möglich sein kann, dass wenn die Fälle in den klinischen Tests schnell zunehmen, wir den Aufsichtsbehörden bereits dieses Jahr Daten vorlegen können“, während der Leiter des Paul-Ehrlich-Instituts (das deutsche Bundesinstitut für Impfstoffe) sagte, dass wenn die Tests zeigen, dass die Impfstoffe wirksam und sicher sind, „die ersten Impfstoffe Anfang des Jahres zugelassen werden könnten.“ Allerdings rechnen wir weniger damit, dass gute Neuigkeiten in diesem Zusammenhang riskante Anlagen stark erschüttern würden – zum einen, weil sich herausstellt, dass die Anleger die Einführung einer Impfung bereits eingepreist haben, und zum anderen aufgrund der Erholung der Aktienkurse.

Konjunkturdaten – Lässt die Dynamik nach?

Bei den Konjunkturdaten bestand die wichtigste Veröffentlichung in der letzten Woche in den vorläufigen Einkaufsmanagerindex-Daten (PMI) der Eurozone für August. Diese Daten bleiben ein wichtiger Indikator dafür, wo wir uns aktuell im Konjunkturzyklus befinden, da die Unternehmen Veränderungen der Geschäftsaktivität, der Auftragslage und der Beschäftigung im Vormonatsvergleich weit vor den offiziellen Datenveröffentlichungen melden. Die jüngsten PMI-Daten sind nicht eindeutig ermutigend. Die tatsächliche Aktivitätsbilanz in der Eurozone ging auf ein Zweimonats-Tief zurück, und die Bilanz des Dienstleistungssektors fiel auf knapp über 50, den für „unverändert“ stehenden Wert. Das spiegelt in gewissem Maße die Tatsache wider, dass die PMI-Daten den Einzelhandel ausschließen, der sich stärker erholt hat als die meisten anderen Sektoren. Dafür schließen sie den Tourismussektor ein, der an bestimmten Orten durch neue Reisebeschränkungen beeinträchtigt wurde. Die Daten zeigen dennoch, dass die Erholungsdynamik nachlässt.

Die in den letzten Wochen veröffentlichten BIP-Daten zeigen die Schwankungen der BIP für das zweite Quartal 2020 in den Volkswirtschaften der Industrieländer im Vergleich zum Vorquartal. In Diagramm 1 werden die Daten für das US-BIP nicht auf annualisierter Basis gezeigt (-32,9 % in zweiten Quartal 2020), um sie mit den Daten für Europa vergleichen zu können. Es handelt sich natürlich um die ersten BIP-Schätzungen, die stärker korrigiert werden könnten als üblich. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern sind teilweise, aber nicht ausschließlich auf die Strenge der Lockdown-Maßnahmen zurückzuführen. Auch die Struktur der jeweiligen Volkswirtschaften spielt eine wichtige Rolle. Insbesondere könnte die Bedeutung von Dienstleistungen wie der Tourismusbranche für das BIP der Hauptgrund für Schwankungen sein. Der Verbrauch der Haushalte, der überall stark zurückgegangen ist, ist eine weitere wichtige Komponente des BIP. Das Verhalten und die Einstellung der Verbraucher im Zusammenhang mit Ausgaben und Einsparungen im Beschäftigungssektor wird in den nächsten Monaten kritisch sein.

Chart

Die US-Politik im Fokus

Die USA stehen an der politischen Front aus verschiedenen Gründen im Mittelpunkt des Interesses. Erstens ist die Konferenzsaison vor dem Endspurt durch die Präsidentschaftsdebatten bis zum Wahltag am 3. November fast vorüber. Joe Biden verfügt weiterhin über einen deutlichen Vorsprung in den Meinungsumfragen, und die Demokraten haben offensichtlich immer noch große Chancen, wieder die Kontrolle über den Senat zu übernehmen und die Mehrheit im Kongress zu wahren. Was den Kongress betrifft, so konnte sich dieser nicht auf ein neues Stimuluspaket einigen, und in den nächsten Tagen ist nur mit wenigen Fortschritten zu rechnen. Sollte keine Einigung zustande kommen, könnte das zu einem wesentlichen Abwärtsrisiko für die Erholung der USA führen.

Der Fokus wird sich letztendlich auch auf das Jackson Hole-Symposium verlagern, das dieses Jahr online stattfindet. Besonderes Interesse wird den Kommentaren des Fed-Vorsitzenden Powell zur Überprüfung der Geldpolitik durch die Federal Reserve gelten, in der es u. a. um die Anpassung der Zinsen und andere Mittel zum Erreichen der Inflationsziele geht.

Ruhe an den Märkten im Vorfeld der Fed-Sitzung

Die Kurse von US-Treasuries sind diese Woche leicht zurückgegangen. Im Ergebnis stieg die Rendite zehnjähriger US-Treasuries um drei Basispunkte (0,03 Prozentpunkte) auf 0,712 %, so dass der Anstieg seit Ende letzter Woche jetzt rund 8 Bp beträgt. Die Renditen der US-Treasuries sind von rund 0,5 % am Ende des letzten Monats gestiegen. Die Bundesanleihen und britischen Staatsanleihen folgten dem Beispiel der USA: Die Rendite der als Benchmark geltenden, zehnjährigen Bundesanleihe stieg um 2 Bp auf -0,4 %.

In Europa haben sich die Aktienmärkte im Vorfeld der Fed-Sitzung beruhigt und glichen so die Entwicklung der Wall Street aus, die alle Rekorde brach. Die Aktien des asiatisch-pazifischen Raums wurden auch im Kielwasser neuer Rekorde an der Wall Street ohne großen Enthusiasmus seitens der Anleger gehandelt, da der Optimismus im Hinblick auf die Gespräche zwischen den USA und China nachgelassen hat.

Der S&P 500-Index in den USA dürfte nahe an einem dritten Rekordhoch in Folge bleiben, das gestern kurz vor Handelsschluss erreicht wurde. Auch der überwiegend aus Technologiewerten bestehende Nasdaq Composite liegt nahe an seinen jüngsten Höchstwerten. Diese Indizes werden schon bald ihren fünften Monat mit positiver Entwicklung in Folge abschließen. Der S&P 500 konnte sich diesen Monat bisher um mehr als 5 % verbessern und der Nasdaq um fast 7 %.


 

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