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Wöchentliches Investment-Update – 23. September 2020

Blog

Marina CHERNYAK
 

Die Zahl der neuen COVID-19-Fälle steigt in Großbritannien und Europa weiterhin in alarmierendem Tempo an. Das Risiko erneuter Lockdowns – und damit der Bedarf an weiteren fiskalischen Stützmaßnahmen – nimmt täglich zu. Momentan geht die fiskalische Unterstützung zurück. Die Rahmenbedingungen bewirken eine Verlangsamung der Konjunkturaktivität. So steigen die Risiken für eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums im vierten Quartal. Das Hauptrisiko besteht in einem deutlichen Anstieg der Infektionsraten mit Beginn der Wintermonate.

COVID-19 Update

Die Weltgesundheitsorganisation stellt mit Beginn der kälteren Jahreszeit in der nördlichen Hemisphäre eine „beunruhigende Entwicklung“ der Zahl der COVID-Fälle mit Intensivpatienten und Krankenhauseinweisungen fest. Die Daten aus Frankreich, Spanien und dem Vereinigten Königreich zeigen, dass sich das Virus jetzt in allen Altersgruppen ausbreitet. Die meisten neuen Fälle werden weiterhin bei jungen Leuten verzeichnet. Wie von den Experten für öffentliche Gesundheit vorausgesagt, spielen die Wiedereröffnung von Schulen und die zunehmende Zahl an Aktivitäten in geschlossenen Räumen bei jungen Leute eine Rolle.

Um eine zweite Welle zu stoppen, könnten schwierige Kompromisse erforderlich sein. Ohne erneuter Lockdowns kann man dem Virus nur durch Einschränkungen des sozialen Lebens Einhalt gebieten. Zusätzliche Maßnahmen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit werden wahrscheinlich die Wirtschaftsaktivität weiter beeinträchtigen. Es besteht das Risiko, dass der Markt der Versuchung erliegt, lokale Maßnahmen abzulehnen, bis sie sich kumulieren und den Konjunkturausblick beeinträchtigen.

Märkte und Konjunkturdaten

Heute wurde der Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Eurozone für September veröffentlicht. Für den Markt stellt der PMI die wichtigste Quelle zeitnaher Informationen über die Veränderung der Konjunkturaktivität in der Eurozone im Vormonatsvergleich dar.

Der kombinierte Einkaufsmanagerindex fiel um fast zwei Punkte auf 50,1, so dass er bereits durch einen Rundungsfehler 50 – den Wert, der für „unverändert“ steht – erreichen könnte (PMI unter 50 zeigen einen Konjunkturrückgang). In den letzten beiden Monaten (Juli und August) lag der kombinierte Index deutlich über 50. Dem waren drei Monate mit markanten Einbrüchen vorausgegangen (März, April und Mai) und ein Monat (Juni) mit einem leichten Rückgang.

Die heute veröffentlichten Daten lassen uns davon ausgehen, dass die Konjunkturerholung in der Eurozone stagniert. Der Einkaufsmanagerindex zeigt weiterhin Desinflationsdruck in den Volkswirtschaften, und die Unternehmen berichten, dass sie zunehmend Preisnachlässe gewähren müssen, um den Umsatz anzukurbeln.

Daher nehmen die Risiken für die Konjunkturaktivität in der Eurozone während der letzten vier Monate des Jahres (und somit auch für das BIP-Wachstum des vierten Quartals im Vorquartalsvergleich) zu.

Ernennung eines neuen Richters für den obersten Gerichtshof der USA könnte ein erbitterter Prozess werden

Nach dem Tod der Richterin Ruth Bader Ginsburg (RBG) am 19. September ist am obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten (SCOTUS) jetzt zum dritten Mal in der Amtszeit des aktuellen US-Präsidenten eine Stelle neu zu besetzen. Präsident Trump teilte mit, seinen Kandidaten für das Amt von RBG im weiteren Verlauf dieser Woche bekanntgeben zu wollen. Dabei versprach Mitch McConnell, Mehrheitsführer im Senat, eine Abstimmung über den Vorschlag.

Die Frage ist, ob diese noch im Oktober, vor den Wahlen, stattfinden wird, oder bis zur „Lame Duck Session“ zwischen den Wahlen und dem Beginn des neuen Kongresses Anfang 2021 aufgeschoben wird. Es bestehen nur wenige Zweifel daran, dass bis Jahresende ein weiterer konservativer Richter in den obersten Gerichtshof berufen wird.

Kurzfristige Aussichten auf weitere fiskalische Stimulusmaßnahmen in den USA

Die unmittelbarste Folge der vorgenannten Ereignisse für die Märkte ist die immer geringere Wahrscheinlichkeit weiterer fiskalischer Stimulusmaßnahmen vor den Wahlen.

Wie bereits erwähnt brachten die Diskussionen zwischen den beiden Parteien über die Verabschiedung neuer Maßnahmen seit dem Ablauf wichtiger Stimulus-Leistungen Ende Juli nur wenige Fortschritte. Bevor der Kongress für die Wahl aufbricht, sind die Aussichten auf Einigkeit zwischen Demokraten und Republikanern über stärkere Unterstützung von Volkswirtschaft und Arbeitsmarkt durch die Regierung ziemlich düster.

Ohne erneute Unterstützung könnte das Einkommen der Haushalte im Herbst und Winter weiter unter Druck geraten. Das wiederum würde den Ausblick für die Verbraucherausgaben und ein umfassenderes Konjunkturwachstum beeinträchtigen.

Neue Warnung des Fed-Vorsitzenden Powell …

Potenziell ist das ein kritisches Thema, denn man scheint sich einig zu sein, dass der neu angekündigte geldpolitische Rahmen der Federal Reserve ohne fiskalische Unterstützung der US-Regierung nicht erfolgreich sein kann.

Eine Reihe hochrangiger Vertreter der Fed beharrten auf diesem Punkt. Gouverneur Lael Brainard betonte beispielsweise, dass „der Umfang und der Zeitrahmen weiterer fiskalischer Unterstützung für den (konjunkturellen) Ausblick wesentlich sind“. Der Fed-Vorsitzende J. Powell warnte gestern in einer Rede vor dem Finanzdienstleistungsausschuss des Repräsentantenhauses vor einer Beeinträchtigung der Konjunkturerholung, falls der Gesetzgeber kein neues Stimuluspaket verabschieden sollte.

Märkte – Riskante Anlagen im Aufwind

Die Geldpolitik der Zentralbank ist auch weiterhin der wichtigste Schlüsselfaktor für die internationalen Märkte. Wahrscheinlich wird die gemäßigte Politik der Notenbank nicht nur dafür sorgen, dass die Zinsen auf ihrem aktuell niedrigen Stand verbleiben, sondern auch eine geringere Volatilität der Zinsen bewirken. Vor diesem Hintergrund ist nicht mit starken Schwankungen der Renditen internationaler Anleihen zu rechnen. Es könnte daher umfassendere Währungsanpassungen geben, und die Wahrscheinlichkeit einer stärkeren Volatilität der Währungen ist groß.

Der Markt kalkuliert nach wie vor ein US-Wahlverlängerungsrisiko ein, wobei die VIX-Futures-Kontrakte im November im Vergleich zu den Kontrakten im Oktober weiter steigen. Das Wahlrisiko wird auch in Währungsoptionen auf die wichtigsten Wechselkurse gegenüber dem USD mit Laufzeiten von zwei Monaten und länger eingepreist.

Der chinesische Offshore Yuan (CNH) verbessert sich gegenüber dem US-Dollar weiter. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China spielt derzeit für die Entwicklung des US-Dollar/Yuan-Wechselkurses keine große Rolle. Durch das Risiko im Zusammenhang mit den US-Wahlen steigt allerdings der Volatilitätsaufschlag.

Riskante Anlagen dürften trotz der aktuellen Marktschwäche weiterhin durch niedrige Realrenditen für zehnjährige US-Anleihen und günstige finanzielle Bedingungen gestützt werden. Der Aktienrisiko-Aufschlag lässt Aktien im Vergleich zu Anleihen auch immer noch interessant wirken. Im Vorfeld der US-Wahlen und eventuell auch etwas über diese hinaus könnte es also zu Volatilität kommen, und aus Korrekturen könnten sich Kaufgelegenheiten ergeben.

Technologiewerte mit großer Marktkapitalisierung konnten sich letztendlich von ihrer Korrektur Anfang des Monats erholen. Allerdings fällt auf, dass die vorläufigen Gewinnprognosen für den zweiten Zwölfmonatszeitraum für diese Werte seit Mai weniger stark gestiegen sind als für den Rest des Marktes. Der signifikante Anstieg der Technologie-Aktien seit März basierte vermutlich darauf, dass man mit stark steigenden zukünftigen Gewinnen rechnete – aber die Analysten schienen diese Meinung nicht zu teilen.

Die geringe Zahl positiver Korrekturen der Gewinnprognosen erklärt den starken Anstieg der Kennzahlen dieses Sektors in diesem Jahr und die Tatsache, dass sie auch nach der diesen Monat verzeichneten Korrektur noch hoch bleiben (siehe Diagramm 1).

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