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Wöchentliches Investment-Update – 22. Juli 2020

Blog

Marina CHERNYAK
 

Trotz des lokalen Lockdowns in mehreren Regionen normalisieren sich die Aktivitäts- und Mobilitätsdaten weiter. Die Verbraucherdaten erweisen sich als widerstandsfähig: Der jüngste US-Einzelhandelsumsatz verzeichnete einen stärkeren Anstieg als erwartet, obwohl sich der Rückgang der Arbeitslosenzahlen verlangsamt.

Neue COVID-19-Fälle in den USA…

In den USA verschlechtert sich die Situation weiterhin. Der gleitende Siebentagesdurchschnitt für die Anzahl der täglich erfassten neuen Fälle ist mit rund 67.000 jetzt mehr als dreimal so hoch wie noch vor einem Monat.

Die inzwischen wohlbekannten „Hot Spot“-Staaten im Süden und Westen der USA melden weiterhin positive Testergebnisse. Wahrscheinlich zeigen die Zahlen nicht einmal die wirkliche Ausbreitung des Virus, da die Ergebnisse lange auf sich warten lassen und Testkits Mangelware sind.

Dieser Anstieg von Infektionen, Krankenhausaufenthalten und Todesfällen hat eine Reaktion erzwungen:  22 US-Bundesstaaten, auf die mehr als 55% des US-BIP entfallen, haben entweder die Wiedereröffnung der Wirtschaft ausgesetzt oder sogar rückgängig gemacht. Die häufig veröffentlichen Daten zeigen, dass die Menschen den Politikern voraus sind: Sie ziehen sich freiwillig aus dem öffentlichen Raum zurück, um das Ansteckungsrisiko zu verringern, unabhängig davon, ob die Regierung räumliche Distanzierung vorschreibt oder nicht.

 …während sich in anderen Regionen ein gemischtes Bild ergibt

Neben den USA haben auch andere Länder, in denen das Virus offensichtlich unter Kontrolle war, ein neues Aufflackern der Infektionen gemeldet. In bestimmten Fällen (Hongkong und Israel) hat die Zahl der neuen Infizierten sogar den im Frühjahr erreichten Höchststand übertroffen, was auf einen nachhaltigeren Ausbruch hinweist. Im Gegensatz zur ersten Welle, bei der die Fälle überwiegend aus dem Ausland stammten, zeigen diese neuen Höchstwerte der Infektion offensichtlich eine verstärkte Übertragung innerhalb der Gemeinschaft.

In Kontinentaleuropa bleibt das Virus weitgehend unter Kontrolle. Daher verbessert sich die Mobilität, vor allem in Frankreich. Spanien ist aufgrund der Wiedereinführung von Beschränkungen im Rückstand. Das wird am Oxford Stringency Index deutlich, der Spanien erneut als das Land mit der restriktivsten Politik unter den EU-4 zeigt.

Was die Fortschritte im Hinblick auf einen Impfstoff betrifft, so waren diese Woche zwei wichtige Entwicklungen zu verzeichnen: Das Forschungsteam der Oxford University und ein Team von CanSino Biologics in China veröffentlichten jeweils wissenschaftliche Belege der frühen impfstoffversuche mit Menschen und ebneten so den Weg für Wirksamkeitsstudien. Beide Gruppen berichteten über eine gute Immunreaktion in Form einer Neutralisierung von Antikörpern und T-Zellen-Reaktionen mit minimalen Nebenwirkungen.

Bei einem Briefing der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am vergangenen Montag begrüßte Mike Ryan, Nothilfe-Koordinator der Organisation, die Ergebnisse. Er fügte jedoch hinzu, dass trotz des positiven Resultats noch ein langer Weg zurückzulegen sei, da es sich um Studien der Phase 1 handele und anschließend umfassendere Tests unter Realbedingungen durchgeführt werden müssten.

Einer Umfrage bei Investoren zufolge rechnen mehr als die Hälfte der Marktexperten im Laufe der nächsten sechs bis zwölf Monate mit einem Impfstoff. Der Optimismus bezüglich eines Impfstoffs scheint also teilweise eingepreist zu sein.

Konjunkturdaten – widerstandsfähige Verbraucherausgaben

Der US-Einzelhandelsumsatz stellte die wichtigste Datenveröffentlichung der letzten Woche dar. Er ist innerhalb eines Monats um 7,5% gestiegen und übertrifft damit die Erwartungen (+5%) deutlich. Damit ist das Wachstum des tatsächlichen Einzelhandelsumsatzes im Vorjahresvergleich nun positiv, und der Umsatz liegt nur knapp unter dem Wert von Februar. Kurz gesagt scheint sich dieser wichtige, häufig veröffentlichte Indikator eindeutig V-förmig zu entwickeln.

Der erste Eindruck kann allerdings täuschen, denn der Einzelhandelsumsatz liefert ein unvollständiges Bild vom Gesamtverbrauch, weil er beispielsweise die Ausgaben für Verbraucherdienstleistungen, die durch die räumliche Distanzierung unverhältnismäßig beeinträchtigt wurden, nicht erfasst.

Wir müssen außerdem nach dem Ende des Lockdowns mit einem vorübergehenden Anstieg der Ausgaben für Konsumgüter rechnen, da die Haushalte ihre Vorräte an kurz- und langlebigen Gütern wieder auffüllen werden und in gewissem Maße eine Substitution der Ausgaben in Kategorien erfolgen wird, in denen die Möglichkeiten beschränkt sind (z. B. Restaurantbesuche oder Urlaub).

Dennoch ist die Widerstandsfähigkeit der Verbraucherausgaben ein echtes Merkmal dieser Rezession, das sich unserer Meinung nach mit den ungewöhnlich starken fiskalischen Maßnahmen erklären lässt. Im Falle einer Rezession gehen das verfügbare Einkommen und die Verbraucherausgaben bei steigender Arbeitslosigkeit typischerweise zurück. Bei dieser Rezession haben sich die Finanzminister intensiv bemüht, das Einkommen zahlreicher Menschen zu stützen, die Kurzarbeit akzeptieren mussten oder ihren Arbeitsplatz verloren haben. Diese Stützmaßnahmen werden jedoch irgendwann enden, und dann könnten die Verbraucherausgaben ins Stocken geraten.

Märkte – Positiver Hintergrund

• Die europäischen Staats- und Regierungschefs einigten sich auf einen Wiederaufbaufonds in Höhe von 750 Mrd. Euro – 390 Mrd. Euro in Form von Zuschüssen und 360 Mrd. Euro in Form von Krediten. Diese Einigung ist eine positive Nachricht für die europäischen Volkswirtschaften, da sie der Unsicherheit ein Ende setzt und die Erholung der schwächeren Volkswirtschaften der Eurozone beschleunigen dürfte.

• In den USA war die Hoffnung auf ein weiteres Konjunkturpaket im Wert von 1,3 Bio. US-Dollar der Kursentwicklung riskanter Anlagen zuträglich. Vieles hängt jedoch davon ab, ob dieses Paket vor der Sommerpause und vor Ablauf der derzeitigen Stützmaßnahmen verabschiedet werden kann.

•  Der Marktkonsens geht weiterhin davon aus, dass das BIP-Niveau bis 2021 wieder das Niveau von 2019 erreicht. Der schwächere Arbeitsmarkt dürfte den Inflationsdruck begrenzen und wird es den Zentralbanken vermutlich ermöglichen, ihre sehr entgegenkommende Geldpolitik fortzusetzen. Zins-Futures werden keine wesentliche Erholung der Anleiherenditen vor Dezember 2022 verzeichnen. Niedrige Zinsen und die Unterstützung der Zentralbanken dürften auch weiterhin einen positiven Hintergrund für riskante Anlagen schaffen.

• Sowohl die implizite als auch die tatsächliche Volatilität normalisieren sich; der VIX-Index ist wieder bei seinem Stand von Ende Februar und die Aktienmärkte erholen sich weiter. Die Kombination aus geringerer politischer Unsicherheit in Europa, niedrigerer Volatilität und äußerst entgegenkommender Geldpolitik kommt riskanten Anlagen entgegen.

• In den USA hat letzte Woche die Ergebnisberichterstattung des zweiten Quartals 2020 begonnen, und in Europa beginnt sie diese Woche. Bisher haben nur 12% der S&P 500-Unternehmen ihre Ergebnisse bekannt gegeben. Die Gewinne gingen um rund 20% zurück und übertrafen die Erwartungen der Analysten. Die Anleger gehen für 2020 weitgehend von sehr niedrigen Gewinnen aus, und die Märkte konzentrieren sich auf die für 2021 erwartete Gewinnerholung, obwohl bisher nur sehr wenige Prognosen seitens der Unternehmen veröffentlicht wurden.

• Auf den Devisenmärkten fällt der US-Dollar letztendlich weiter, besonders gegenüber dem Euro (aufgrund der positiven Nachrichten zum Wiederaufbaufonds). Diese Schwäche des US-Dollars könnte anhalten, weil die strukturelle Unterstützung für den US-Dollar nachgelassen hat, da die Unterschiede sowohl beim Wachstum als auch bei den Zinsen wesentlich geringer geworden sind.


 

Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück.

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