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Wöchentliches Investment-Update – 19. August 2020

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Marina CHERNYAK
 

Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass das Wiederaufflackern der COVID-19-Fälle in Europa neue Einschränkungen erforderlich machen wird. Die US-Aktien erreichten diese Woche ein Rekordhoch, nachdem sie sich gegenüber ihrem Tiefstand im März um 50 % erholt hatten. Diese Erholung der Aktien kann teilweise durchaus darauf zurückzuführen sein, dass die Realzinsen in den USA so niedrig sind wie nie zuvor. Die Goldpreise steigen nach einer Korrektur Anfang August wieder. Sie werden potenziell durch niedrige Realzinsen gestützt und spiegeln die anhaltenden Bedenken im Zusammenhang mit den Risiken der Abwertung von Giralgeld wider.

COVID-19 – ein gemischtes Bild

Im Laufe der letzten Woche überstieg die Zahl der COVID-19-Fälle weltweit 22 Millionen, und es waren 785.000 Todesopfer zu beklagen. In einigen Regionen und Ländern, in denen die höchsten Fallzahlen verzeichnet wurden, z. B. die Vereinigten Staaten, Lateinamerika und Indien, verlangsamt sich die Ausbreitung des Virus jetzt allgemein. In Westeuropa und Teilen von Asien steigen die Fallzahlen dagegen erneut, wenn auch ausgehend von niedrigen Niveaus.

Eine gewisse Verbesserung in den USA

In den USA ging die tägliche Zahl neuer Fälle von 63.000 vor zwei Wochen und 53.000 vor einer Woche auf 51.000 zurück. Gleichzeitig nimmt die Zahl der durchgeführten Tests nach jüngsten Unterbrechungen glücklicherweise wieder zu. Zur Erinnerung: Die mit Tests in anderen Teilen der Welt gemachten Erfahrungen zeigen, dass der Anteil positiver Tests auf unter 5 % zurückgehen und mehrere Wochen in diesem Bereich bleiben muss, um von einer echten Eindämmung des Virus sprechen zu können. Was die Zahl der Todesopfer betrifft, so folgen die USA mit 1.000 COVID-19-Opfern täglich leider der Gesamtprognose der Centers for Disease Control and Prevention und verzeichnen seit Beginn der Pandemie mehr als 175.000 Todesopfer. Zu den positiven Neuigkeiten zählt dagegen die Tatsache, dass die von den Bundesstaaten gemeldeten Zahlen der Krankenhauspatienten mit COVID-19 in den USA weiter zurückgehen. Mehr als die Hälfte der mit COVID-19 in ein Krankenhaus eingewiesenen Menschen befinden sich derzeit im Süden des Landes, während die Krankenhauseinweisungen im Nordosten auf 5 % gefallen sind.

Spanien, das Sorgenkind Europas

In Europa liegt der Fokus weiterhin auf der kontinuierlichen Zunahme der Zahl neuer Fälle. Um die Dinge in Perspektive zu setzen, muss gesagt werden, dass die größeren westeuropäischen Länder gemeinsam immer noch rund 10.000 Fälle täglich melden – fünf mal weniger als in den USA. In Spanien ist das Wiederaufflackern der Fallzahlen mit mehr als 5.000 neuen Fällen täglich das stärkste der Region, aber auch in Frankreich, gefolgt von Deutschland und Großbritannien nehmen die gemeldeten Infektionen wieder zu.

Um die erhöhte Zahl an Tests bereinigt erweist sich Spanien als echtes Sorgenkind, denn der Anteil von Tests mit positiven Ergebnis ist auf 7,4 % gestiegen. Im Rest von Westeuropa sind die Zahlen positiver Fälle noch relativ niedrig, steigen aber in Frankreich (2,2 %) und Italien (2,1 %).

Im weiteren Verlauf ist es angesichts der ständigen Zunahme neuer Fälle keine Überraschung, dass man in Erwägung zieht, die offiziellen Mobilitätsbeschränkungen langsamer aufzuheben. Es könnte zu Abwärtsrisiken für die Erholung der Konjunktur kommen, falls derartige Einschränkungen für nötig gehalten würden. In den letzten Wochen verschärften viele Länder in der Tat die Abstandsreglungen: Gesichtsmasken sind jetzt in Spanien, Italien, Belgien und immer mehr französischen Städten auch im Freien Vorschrift. In Italien werden Discos und Nachtclubs geschlossen, und das Tragen von Masken im Freien ist in bestimmten Gebieten Vorschrift.

Überraschende Daten für die US-Inflation im Juli

Die Kerninflation in den USA schwankt seit März stark. Dieser Trend setzte sich in den jüngsten Daten für Juli fort, die mit + 0,6 % im Vormonatsvergleich die stärkste Verbraucherpreisinflation (CPI) seit Januar 1991 zeigten und eine der größten Überraschungen überhaupt in Bezug auf die Konsenserwartungen darstellten, wenn man den Wert betrachtet.

Die tatsächlichen Inflationsdaten sind immer bewegt; sie schwanken aufgrund von Änderungen der Lebensmittel- und Ölpreise, weshalb die Zentralbanken der Industrieländer wesentlich mehr Zeit damit verbringen, als Messung der zugrunde liegenden Preisentwicklung die Kerninflation zu betrachten als die tatsächliche Inflation.

Gerade jetzt erweist sich der traditionelle Wert der Kerninflation, die nur die Lebensmittel- und Energiepreise ausschließt, jedoch nicht als guter Hinweis auf zugrunde liegenden Preisdruck, da er durch die kurzfristigen Auswirkungen der Pandemie stark verzerrt wurde. Statistische Trendmessungen wie der Mittelwert und der getrimmte Mittelwert der Inflation sind besser, aber immer noch weit von perfekten Werten entfernt. Egal, welchen Wert man betrachtet: man sieht einen starken Schock im Frühjahr, gefolgt von einer teilweisen Erholung im Sommer.

Als im März die Pandemie ausbrach, fiel die Nachfrage bei bestimmten Arten von Unternehmen über Nacht und löste enorme Preisrückgänge aus. Gute Beispiele für die Art der am stärksten betroffenen Unternehmen sind Hotels und Fluggesellschaften, aber darüber hinaus gibt es viele andere, einschließlich Bekleidungsgeschäften und Autovermietungen. Nachdem im Mai/Juni der Lockdown gelockert wurde und die Unternehmen ihre Produktion kurzfristig besser auf die Nachfrage abstimmen konnten, verschwand diese intensive, kurzfristige Deflation und Unternehmen, die ihre Preise im Frühjahr stark gesenkt hatten, begannen, sie wieder zu normalisieren. Die Sektoren, in denen im Frühjahr die stärksten Preisrückgänge zu verzeichnen waren, erleben jetzt die größten Preiserhöhungen: Dieser Echoeffekt wird wahrscheinlich auch noch einige Monate anhalten. Das Phänomen beschränkt sich nicht auf die USA. Ähnliche Entwicklungen werden vermutlich auch in den Inflationsdaten anderer Industrieländer zu verzeichnen sein. Das genaue Ausmaß in jedem einzelnen Land wird von der Stärke der Pandemie und den geldpolitischen Reaktionen auf sie abhängen.

Aber ohne Folgen für die US-Geldpolitik …

Der Fed-Vorsitzende Powell wiederholte des Öfteren, dass er ‚nicht einmal daran denke, über Zinserhöhungen nachzudenken.‘ Diese Daten werden ihn nicht davon überzeugen, seine Haltung zu ändern. Die Fed war von diesen Verbraucherinflationsdaten möglicherweise überrascht, aber wir sollten uns daran erinnern, dass die Kern-Verbraucherinflation seit März auf Jahresbasis im Durchschnitt 0,5 % beträgt und damit deutlich unter dem Fed-Ziel liegt.

Noch wichtiger ist, dass sich die Fed auf den mittelfristigen Ausblick für die Inflation und darauf konzentrieren wird, wie dieser mit dem Arbeitsmarkt zusammenhängt, und nicht auf die Verzerrung, die durch diese (relativ großen) Preiseffekte entsteht.

Die US-Arbeitslosenrate liegt derzeit im zweistelligen Bereich und wird den Fed-Prognosen zufolge bis Ende 2021 auf 6,5 % zurückgehen. Die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit im mittleren Bereich der einstelligen Werte dürfte einen Rückgang der Kerninflation um rund 0,25 % im Vergleich zum Trend vor der COVID-Pandemie von rund 1,75 % bewirken, so dass sie sich wohl bei rund 1,5 % einpendeln wird – deutlich unter dem Inflationsziel der Fed. Die Mitglieder der Federal Reserve haben offensichtlich das Ziel, zu verhindern, dass die USA in die Falle der niedrigen Inflation geraten, in der die Eurozone und Japan lange Zeit gefangen waren, deutlich vor Augen.

Neues vom Markt – US-Aktien erreichten ein Rekordhoch

Der S&P 500-Index erreichte gestern sein Allzeithoch und hat sich jetzt gegenüber den Tiefständen von Ende März (siehe Diagramm 1) um mehr als 50 % erholt. Die Gewinnsaison bestätigt, dass die Gewinne in den USA wesentlich besser standgehalten haben als in anderen Ländern, wozu Technologieunternehmen beitrugen. In Europa hatten die Index-Performances unter der stärkeren Gewichtung traditionellerer Sektoren zu leiden.

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Auf dem Rentenmarkt stieg die zehnjährige, reale US-Treasury-Rendite letzte Woche, bleibt jedoch nahe an ihrem historischen Tief bei fast genau minus 1 % , ein Stand, der vor diesem Jahr noch nie erreicht wurde. Wenn die Inflation in Zukunft steigen kann, ohne eine geldpolitische Reaktion der Federal Reserve auf den Plan zu rufen, wären die Realrenditen (nominale Anleiherendite abzüglich der Breakeven-Inflationsrate) geringer.

Es gibt auch einen Zusammenhang zwischen Realrenditen und Goldpreis: negative Realrenditen reduzieren die Opportunitätskosten einer Investition in Gold (das keine Rendite zahlt) und machen es möglicherweise zu einer interessanteren Anlage. Eine kurze Korrektur der Realrenditen könnte die kurze Korrektur der Goldpreise Anfang August erklären.

Gold legte in der letzten Woche eine starke Wertentwicklung an den Tag (3,5 %). Nachdem der Goldpreis gegenüber seinem Anfang August registrierten, historischen Höchststand zurückging, erholte er sich in der letzten Woche um 3,5 %, da die internationalen Spannungen zunehmen und der US-Dollar erneut abschwächte.

Gold bleibt beliebt; zu den Stützfaktoren zählen Angst um das Monetisierungspotenzial, die niedrigen Realrenditen, der schwache US-Dollar und die anhaltenden internationalen Spannungen.


 

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