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Wöchentliches Investment-Update – 12. August 2020

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Marina CHERNYAK
 

Die Zahl der COVID-19-Fälle übertraf diese Woche weltweit 20 Millionen. Die politischen Entscheidungsträger sahen sich zahlreichen Herausforderungen gegenüber, um eine Ausbreitung des Virus bzw. ein Wiederaufleben der Pandemie zu vermeiden und ergriffen Maßnahmen wie die Fortsetzung oder erneute Einführung sozialer Distanzierung, verstärktes Testen und Rückverfolgung.

Die Märkte waren weitgehend daten- und einkommensgetrieben, etwa zwei Wochen vor dem Ende der Sommerferienzeit in vielen Ländern und inmitten einer gewissen Besorgnis über (und in der Tat Druck für) neue Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft und zur Erhaltung von Arbeitsplätzen.

USA – Erfolgreiche Maßnahmen zur Minderung der Fallzahlen

In den USA beeinträchtigten der Mangel an Testkits, wetterbedingte Unterbrechungen, die zu Laborschließungen im Süden der USA führten, sowie andere technische und Berichterstattungsprobleme die Datenqualität. Dies täglichen Testzahlen spiegelten dies teilweise wider: zunächst waren klare Fortschritte zu verzeichnen, aber in den letzten zehn Tagen ging der Wert erneut zurück. Im Ergebnis werden weniger neue Fälle diagnostiziert: rund 54.000 pro Tag gegenüber 63.000 in der Vorwoche.

Abgesehen davon, dass 32 Bundesstaaten das Tragen von Gesichtsmasken vorschreiben, dürfte auch die angeordnete Beibehaltung der Maßnahmen zur räumlichen Distanzierung dazu beigetragen haben, die Zahl neuer Fälle gering zu halten. Darüber hinaus haben der Rückgang der Restaurantbesuche und das Stagnieren des inländischen Flugverkehrs im letzten Monat dazu beigetragen, die Ausbreitung des Virus einzudämmen.

In diesem Zusammenhang sagte Dr. Anthony Fauci, der führende US-amerikanische Experte für Infektionskrankheiten, dass in dem Fall, dass ein zugelassener Coronavirus-Impfstoff nur in 50% – 60% der Fälle wirksam sei, immer noch Maßnahmen des öffentlichen Gesundheitswesens erforderlich seien, um die Pandemie einzudämmen.

Den Centers for Disease Control and Prevention zufolge wird die Zahl der Todesopfer bis Ende August vermutlich 175.000-190.000 erreichen. In den USA gibt es inzwischen mehr als 5 Millionen Infektionen, was rund 25 % der weltweiten Gesamtzahl ausmacht.

Europa – Nachdrückliche Reaktion einzelner Länder

In Europa melden viele Länder eine Zunahme der Fälle, obwohl die täglichen Zahlen immer noch deutlich unter dem im Frühjahr verzeichneten Höchststand liegen. Spanien führt den westeuropäischen Aufschwung an. Der Anteil der positiven Tests ist von weniger als 1,5% vor einem Monat auf 7,4% gestiegen, was bedeutet, dass der Anstieg der Fälle nicht allein durch vermehrte Tests erklärt werden kann. Dies gibt Anlass zur Sorge.

Wie in den USA zu beobachten war, gibt es unweigerlich eine zeitliche Verzögerung zwischen dem Wiederaufleben des Virus und den gemeldeten Krankenhauseinweisungen und Todesopfern. Wenn dieses Mal rechtzeitig gezielte Maßnahmen ergriffen werden, stehen die Chancen allerdings gut, dass die Zahl der Todesopfer geringer sein wird als im Frühjahr. Länder wie Deutschland und Belgien haben infolge steigender Fallzahlen die Maßnahmen zur sozialen Distanzierung wieder verschärft, während in Paris das Tragen von Masken in den meistfrequentierten Straßen vorgeschrieben wurde. Diese Maßnahmen müssen sich erst noch in geringeren Infektionen niederschlagen.

Was den Marktfokus auf die Entwicklung der Pandemie betrifft, so kann zusammenfassend gesagt werden, dass die erhöhte Mobilität und Offenheit auf die Probe gestellt werden könnten, wenn die Menschen aus dem Urlaub an ihre Arbeitsplätze und in Schulen zurückkehren und sich das Wetter ändert. Dann ist es durchaus möglich, dass die Ausbreitung des Virus wieder zunimmt.

Schnellere Reaktionen angesichts des Wiederauflebens

In Australien und Singapur scheinen die Fälle endlich ihren Höhepunkt erreicht zu haben, was zum Teil auf die vor einigen Wochen verhängten strengeren Maßnahmen zurückzuführen ist. Insgesamt wird der Wiederanstieg in Asien von den politischen Entscheidungsträgern mit viel größerer Dringlichkeit behandelt.

Neuseeland bestätigte nach 102 virusfreien Tagen vier neue Fälle von COVID-19 und reagierte darauf mit einer 72-stündigen Abriegelung von Auckland, seiner bevölkerungsreichsten Stadt, mit der Anordnung, Schulen, Kindertagesstätten, Bars und Restaurants zu schließen und die Menschen von zu Hause aus arbeiten zu lassen.

Aus Afrika werden mehr als 1 Million Fälle gemeldet. Die tatsächliche Zahl könnte viel höher liegen.

Impfung und Behandlung

Russland gab diese Woche bekannt, die erste Impfung gegen COVID-19 weltweit entwickelt zu haben und plant bereits im nächsten Monat Impfungen für medizinisches Personal im eigenen Land. Da es an wissenschaftlich belegten Daten fehlt, um den Wirksamkeits- und Sicherheitsanforderungen gerecht zu werden, sollten wir uns allerdings nicht zu früh freuen.

Laut Weltgesundheitsorganisation, die den Forschungsstand für Impfungen mitverfolgt, befindet sich dieser Impfstoff in der Tat noch in der ersten Prüfungsphase. Der Sprecher der WHO Christian Lindmeier sagte, dass sich alle potenziellen Anbieter von Impfstoffen an die bewährten Praktiken halten und die klinischen Tests beenden müssen, bevor der Impfstoff der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird.

Eine neue Studie zeigte, dass die Sterblichkeitsrate von COVID-19-Patienten in Krankenhäusern, die Transfusionen von Blutplasma mit einen hohen Gehalt an Antikörpern von genesenen Patienten erhielten, um rund 50 % reduziert werden konnte.

Makroökonomische Daten – Trüber Ausblick für den Arbeitsmarkt

Bei den Daten zeigte der US-Arbeitsmarktbericht für Juli weitere Fortschritte beim Rückgängigmachen der hohen Arbeitsplatzverluste von März und April (siehe Diagramm 1). Die US-Arbeitgeber kündigten allerdings im Juli 262.649 Stellenstreichungen an, da die Pandemie weiterhin auf der Nachfrage lastet. Das zeigt, dass sich die Erholung des Arbeitsmarktes verlangsamt.

Unserer Ansicht nach sollte dies weiterhin den lockeren geldpolitischen Kurs der Federal Reserve unterstützen. Der Vorsitzende Jay Powell hielt an seiner Ansicht fest, dass er „nicht einmal daran denkt, an eine Zinserhöhung zu denken“.

Im August dürfte sich das Beschäftigungswachstum aufgrund der stärkeren Ausbreitung des Virus und des zunehmenden Risikos im Zusammenhang mit anhaltender fiskalischer Unterstützung für die US-Haushalte weiter verlangsamen. Berichten zufolge herrscht nach wie vor große Uneinigkeit zwischen den Demokraten und dem Weißen Haus in Bezug auf Arbeitslosenversicherung und Unterstützung von Bundesstaaten und Städten. US-Präsident Trump ergriff Maßnahmen im Zusammenhang mit der Unterstützung von Arbeitslosen, Lohnsteuer, Zwangsräumungen und Studentendarlehen, die allerdings als verfassungswidrig bezeichnet wurden und nur wenig Wirkung haben dürften.

Im Vereinigten Königreich wurden Pläne, die Unterstützung des Arbeitsmarktes zu beenden, als schwerer Fehler bezeichnet. Gleichzeitig sagte die Bank of England, für sie gäbe es keinen Grund, die Zinsen derzeit bis in den negativen Bereich zu senken. Sie warnte, dass die Volkswirtschaft länger brauchen würde, um sich zu erholen. Einer Umfrage zufolge plant ein Drittel aller Arbeitgeber im dritten Quartal Stellenstreichungen.

Märkte – Warten auf Neuigkeiten zu Konjunkturmaßnahmen

Die US-Aktienmärkte konzentrierten sich zunächst auf die Gewinne des zweiten Quartals, anschließend auf den überraschenden Rückgang der Neuanträge auf Arbeitslosenunterstützung und letztendlich auf die Diskussionen um Konjunkturmaßnahmen in Washington, die auch andere Märkte beschäftigten. Die Tatsache, dass sich die Diskussion in die Länge zog, half Gold, seinen Glanz zu wahren, weil die Anleger selbst dann noch vor dem US-Dollar zurückscheuten, als sich die Aktienmärkte verbesserten. Später schien sich für Gold allerdings der stärkste Intraday-Kursrückgang seit fünf Monaten anzukündigen.

Die Spannungen zwischen den USA und China setzten sich fort und nahmen vielleicht sogar zu, da sich die wirtschaftlichen Supermächte neben anderen Problemen über die (wahrgenommenen) Risiken für Wirtschaft und Sicherheit im Zusammenhang mit der chinesischen Technologie stritten. US-Präsident Trump untersagte US-Unternehmen, Geschäfte mit den chinesischen Eigentümern beliebter Video- und Chat-Apps zu machen. Des Weiteren warnten die USA auch erneut, dass chinesische Unternehmen, deren Aktien an US-Börsen gehandelt werden, ihre Notierung einstellen müssten, wenn sie sich nicht an die US-Rechnungslegungsregeln halten.

Von chinesischer Seite nutzte man Trumps Kampagne gegen Peking, denn sie bietet eine Gelegenheit, den Druck auf den Präsidenten noch zu verstärken, weil er um seine Wiederwahl kämpft. Der Nationale Sicherheitsberater der Vereinigten Staaten warnte, dass China versuche, die Wahl zu stören. Diese Kommentare stießen allerdings auf eine gewisse Skepsis. Peking drohte, als Reaktion auf ähnliche Maßnahmen seitens der Regierung in Washington elf US-Bürger zu sanktionieren.

Es ist erwähnenswert, dass sich im Falle eines Wahlsiegs des demokratischen Kandidaten Joe Biden im November die US-Politik in Bezug auf China nicht wesentlich ändern dürfte, auch wenn er sich wahrscheinlich weniger streitlustig geben wird.


 

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