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Market Weekly – Wiederherstellung von Ökosystemen: Chancen für Anleger (lesen oder hören)

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28/06/2021 · 4 Min

Die Wiederherstellung von Ökosystemen ist genauso wichtig wie das Reduzieren von CO2-Emissionen; auch hier können Anlagegelegenheiten in Höhe von Milliarden Dollar entstehen, wie Ulrik Fugmann und Edward Lees, Co-Heads der Environmental Strategies Group, erklären.

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In der Debatte um Klimawandel und Umweltherausforderungen geht es überwiegend um CO2-Emissionen. Wir sind aber davon überzeugt, dass wesentlich mehr auf dem Spiel steht: Unser Naturkapital, in Form von Ökosystemdienstleistungen – Nutzen, den Menschen aus Ökosystemen ziehen – ist bedroht. Die Belastungen von Ozeanen, Boden und Stadtgebieten nehmen mit dem Wachstum der Weltbevölkerung, das bis 2035 auf zwei Millionen geschätzt wird, zu.

Diagramm 1: Die vier Kategorien an Ökosystemdienstleistungen – Bereitstellende Dienstleistungen; regulierende Dienstleistungen; unterstützende Dienstleistungen und kulturelle Dienstleistungen

Quelle: Nach dem Millennium Ecosystem Assessment lassen sich Ökosystemdienstleistungen, die zum Wohlbefinden der Menschen beitragen und deren Grundlage jeweils die Biodiversität ist, in diese vier Kategorien einteilen.

Bis zum Jahr 2050 dürften Prognosen der Vereinten Nationen zufolge 68 % der Weltbevölkerung in Stadtgebieten leben (gegenüber derzeit 55 %). Deshalb wird die Nachfrage nach Stromerzeugung, Müllentsorgung und Umweltschutz wahrscheinlich zunehmen.

Wenn der Fußabdruck des weltweiten Konsums die Biokapazität übersteigt, konsumieren die Menschen schneller, als sich die Ökosysteme der Erde regenerieren können. Schätzungen zufolge verbraucht die Menschheit derzeit die natürlichen Ressourcen 1,75-mal schneller, als die Ökosysteme diese wiederherstellen können – anders gesagt verbrauchen wir jedes Jahr 1,75-mal so viel, wie uns die Erde zur Verfügung stellen kann.

Inzwischen sind sich die politischen Entscheidungsträger bewusst, dass es wesentlich ist, Ökosystemdienstleistungen wiederherzustellen, zu schützen und zu erhalten. Gleichzeitig ermöglicht die Technologie neue Lösungen, von intelligenter Landwirtschaft bis hin zu Hochwasserschutz, um Lebensgrundlagen und Wohlstand zu schützen.

Unsere Abhängigkeit von den Ökosystemen darf nicht unterschätzt werden

Das wird daran deutlich, dass rund 50 % des weltweiten BIP – im Gegenwert von 44 Billionen USD – stark oder mäßig von der Natur und deren Dienstleistungen abhängig sind. Wesentliche systemische Risiken beziehen sich weitgehend auf Naturkapital. Als Beispiele können der Klimawandel, aber auch der Verlust der Artenvielfalt und Pandemien angeführt werden.

Im Zusammenhang mit der Wiederherstellung von Ökosystemen in den Ozeanen und zu Land, Nahrungsmitteln und Landwirtschaft sowie nachhaltigen Gemeinschaften bieten sich interessante Gelegenheiten. Schätzungen zufolge sind zwischen 2020 und 2030 Investitionen in Höhe von mehr als zwei Billionen USD jährlich erforderlich, um Ökosysteme im Meer, zu Land und im städtischen Raum wiederherzustellen, und in diesem Zusammenhang dürften sich Geschäftsgelegenheiten im Wert von sechs Billionen USD ergeben.

Erfreulicherweise schenken politische Entscheidungsträger und Markt-Regulierungsbehörden den Risiken und Bedrohungen – u. a. rund einer Million vom Aussterben bedrohter Arten – immer mehr Aufmerksamkeit, und Konjunkturprogramme wie die aktuellsten Ausgabenpläne der Biden-Regierung in Höhe von mehreren Billionen Dollar berücksichtigen Lösungen.

Wiederherstellung von Ökosystemen: Genauer betrachtet

Beim genaueren Hinsehen stellt man fest, dass es bei bestimmten Lösungen um den Erhalt geht – die Verlangsamung der Verschlechterung – und bei anderen um Weiterentwicklung, d. h., das Lösen von Problemen und Maßnahmen zur Unterstützung der Wiederherstellung. Die Wiederherstellung lässt sich in drei Hauptkategorien einteilen:

  • Aquatische Ökosysteme sind die Grundlage der Leben von Milliarden Menschen, regulieren das Klima, erzeugen Sauerstoff und treiben den Wasserkreislauf an.
  • Terrestrische Ökosysteme liefern die Grundlage für Leben durch Nahrungsmittel, Wasser, Lebensräume für Organismen und Biodiversität
  • Städtische Ökosysteme unterstützen das gesamte Leben auf der Erde, sind aber gleichzeitig eine Quelle von Umweltverschmutzung, die 6,5 Millionen Todesopfer jährlich fordert.

Zu den interessanten Entwicklungen zählen die Verbesserung der biologischen Abbaubarkeit von Kunststoffen und Lösungen für das chemische Recycling von Kunststoffen. Dank dieses Ansatzes wird weniger Öl für die Kunststoffherstellung benötigt.

Ein weiteres Gebiet ist die Entwicklung neuer Möglichkeiten, um bei der Nahrungsmittelproduktion weniger Wasser und Pestizide einzusetzen und so unseren Wasserfußabdruck zu verringern und weniger Stickstoff in die Wasserwege gelangen zu lassen. Das ist angesichts des zunehmenden Wasserstresses, der durch den Klimawandel, aber auch durch das Bevölkerungswachstum entsteht, wichtig.

Eine breite Auswahl an Anlagechancen

Im Zusammenhang mit der Wiederherstellung von Ökosystemen ergeben sich zahlreiche Gelegenheiten, z. B. bei Umweltschutz und Vermeidung von Umweltbelastung; Möglichkeiten zur Verbesserung der Ressourceneffizienz; der Suche nach Alternativen zu Pestiziden, aber auch Transport; Recycling; Beratung und Testen. Aufgrund dieser Vielfalt ist gründliches Investment Research notwendig, auch deshalb, weil sich typischerweise kein Unternehmen ausschließlich auf einen Aspekt konzentriert.

Oft sind die Lösungen Teil eines Produktangebots, das über die Wiederherstellung von Ökosystemen hinausgeht. Das wird u. a. daran deutlich, dass es keine börsennotierten Unternehmen gibt, die den Verlust der Artenvielfalt bekämpfen. Für die Aktienauswahl ist daher hohe Kompetenz in zahlreichen Umwelttechnologien erforderlich. Gelegenheiten findet man bei unterschiedlichen Marktkapitalisierungen, in verschiedenen Sektoren und geografischen Regionen sowie außerhalb der bekannten Indizes.

Renditen erwirtschaften und zur Lösung des Klimaproblems beitragen

Bei BNP Paribas Asset Management zählt die Investition in die Wiederherstellung von Ökosystemen zu einer Reihe von Umweltstrategien, einschließlich einer Energiewende-Strategie, die sich auf die Erzeugung erneuerbarer Energie, Energietechnologie und -effizienz, Elektrifizierung und Infrastruktur konzentriert.

Die breitgefächertste unserer drei Aktienstrategien kombiniert einen umweltorientierten Ansatz zum Thema Energiewende und Wiederherstellung von Ökosystemen mit einem Fokus auf absolute Rendite, in dessen Rahmen auch Long- und Short-Positionen gehalten werden. Short-Positionen halten wir in Unternehmen, die sich Übergangsrisiken gegenüber sehen und in Unternehmen mit minderwertigen Technologien und Geschäftsmodellen.

Wir sind davon überzeugt, dass unsere Umweltstrategien helfen können, den Klimawandel zu bekämpfen, indem sie Kapital in einen Wachstumsmarkt leiten, der Jahrzehnte lang Billionen Dollar benötigen dürfte, um die für die Wiederherstellung, den Schutz und den Erhalt der Ressourcen der Erde benötigte Größe zu erreichen und den Übergang zu einer nachhaltigen, inklusiven Netto-Null-Wirtschaft zu bewältigen. Für Anleger sind diese Strategien eine rentable Möglichkeit, zur Lösung des Klimaproblems beizutragen.


Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und basieren auf den verfügbaren Informationen, womit sie ohne vorherige Ankündigung geändert werden können. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen. Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück. Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen. Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

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