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Nachhaltiges Investieren: Wir schauen nicht nur zu

Aktuelle nachrichten, ESG/SRI

BNP Paribas Asset Management
 

Jane Ambachtsheer, Global Head of Sustainability bei BNP Paribas Asset Management, spricht über wichtige Aspekte des nachhaltigen Investierens und den Einsatz von ESG-Kriterien (Ökologie, Soziales und Governance) bei der Auswahl von Wertpapieren für eine CO2-arme, inklusive Wirtschaft.

Was bedeutet nachhaltiges Investieren und welchen Schwerpunkt setzt BNP Paribas Asset Management?

Beim nachhaltigen Investieren sind uns mehrere Dinge wichtig: [1]

  • Der erste Punkt ist ein verantwortungsvolles Unternehmensverhalten gemäß dem UN Global Compact. Daher haben wir sektorspezifische Richtlinien, die beispielsweise Anlagen in Kohle und Tabak ausschließen.
  • Hinzu kommt, dass unsere ESG-Richtlinien in allen unseren etwa 80 Investmentprozessen eingehalten werden [2].
  • Außerdem nehmen wir unser Stimmrecht wahr. Wir zögern nicht, gegen die Anträge der Verwaltung zu stimmen, wenn wir zum Beispiel der Meinung sind, dass ein Unternehmen besser über seine Klima- oder Diversitätsstrategie berichten soll.
  • Schließlich legen wir Wert darauf, dass die Wirtschaft CO2-ärmer und inklusiver wird. Wir setzen uns dafür ein, dass Unternehmen und Länder dazu beitragen.

Abbildung 1: Drei Schwerpunkte

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Quelle: Global Sustainability Strategy, BNP Paribas Asset Management, März 2019

Was tun Sie, um das Thema Stewardship auf eine breitere Basis zu stellen?

BNP Paribas Asset Management beteiligt sich aktiv an der Initiative Climate Action 100+ und ist einer von etwa 300 Investoren, die sich bei den größten CO2-Emittenten engagieren. Zusammen verwalten sie 30 Billionen US-Dollar. Von den Unternehmen fordern wir Geschäftspläne passend zum Ziel, die Erderwärmung auf um 2°C zu begrenzen, Boards mit Klimakompetenz und eine angemessene Berichterstattung über Klimathemen.

Zurzeit sind grundsätzliche Veränderungen zu beobachten: Das Kapital fließt in andere Wertpapiere, und die Vermögenseigentümer ziehen am gleiche Strang und arbeiten an der Klärung, und Abstimmung von Terminologie und Berichterstattung. Was tut BNP Paribas Asset Managment?

Wir unterstützen GRASFI. Dieser Initiative gehören 18 Top-Universitäten an, die ein neues Studienfach aufbauen wollen, das sich mit nachhaltigen Finanzen und Investitionen beschäftigt. Außerdem sind wir Mitglied des CFA-Ausschusses, der einen neuen ESG-Standard erarbeitet. In unserer eigenen Berichterstattung informieren wir über die Auswirkungen des nachhaltigen Investierens: Ausschluss, Risikomanagement, Engagement und die Förderung eines nachhaltigen Wachstumsmodells für die Wirtschaft. Wir werden erstmals einen umfassenden Bericht über alle unsere Stewardship-Aktivitäten veröffentlichen.

Ist nachhaltiges Investieren Mainstream?

Früher mussten Assetmanager erklären, warum sie Wert auf nachhaltiges Investieren legen. Heute muss man erklären, warum man es nicht tut. Nachhaltiges Investieren ist ein Muss geworden. Als Assetmanager müssen wir unserer Treuhandpflicht aktiv nachkommen, über die Zukunft nachdenken und die Wirtschaft langfristig schützen. Davon profitieren nicht nur die Investmentergebnisse, sondern auch Gesellschaft und Umwelt.

 Eine gute Governance ist heute eine Voraussetzung für ein Investment, auch in den Emerging Markets. Governance ist mittlerweile auch für Emittenten ein Thema, beispielsweise für Starunternehmen, vor allem im Technologiesektor, wo die Governance und der Zugang der Aktionäre zur Geschäftsleitung häufig weniger gut sind als in anderen Sektoren. Immer mehr Investoren engagieren sich zum Thema Governance.

Abbildung 2: Eine Investmentstrategie mit nachhaltigen Überzeugungen

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Quelle: Global Sustainability Strategy, BNP Paribas Asset Management, März 2019

Welche Assetklassen sind als nächstes dran?

Nach Aktien wird nachhaltiges Investieren jetzt auch in Anlageklassen, die noch niemand aus der Nachhaltigskeitsperspektive betrachtet hat, zum Thema.

  • beispielsweise Private Debt. Hier ist es schwieriger, an Informationen von Unternehmen zu kommen; man hat weniger Zeit für die Analyse oder der direkte Zugang zum Unternehmen fehlt.
  • Bei strukturierten Produkten arbeiten wir zurzeit an einer Richtlinie für nachhaltige Derivate.
  • Bei Festzinspapieren stehen wir kurz vor der Fertigstellung unseres Analyseansatzes für Staatsanleihen. Hier konzentrieren wir uns auf die ESG-Performance eines Landes (nicht nur absolut). Wir achten auch darauf, wie ein Land bei der Umsetzung hoher ESG-Standards abschneidet und berücksichtigen dabei das Einkommensniveau. Dazu untersuchen wir beispielsweise die soziale Infrastruktur, Schulen und Krankenhäuser. Außerdem analysieren wir die Klimaperformance eines Landes. Bewegen sich die Länder auf ein 5°C- oder ein 2°C-Ziel zu?

Für mehr Nachhaltigkeit ist der Klimawandel von zentraler Bedeutung. Was können Eigentümer von Vermögen tun?

Die Kunden erwarten und verdienen es, mit Finanzinstituten zusammenzuarbeiten, die ihre Rolle kennen und gerne zu einer Zukunft gemäß dem Pariser Klimaabkommen beitragen. Wir tun dies über die Intitiative Climate Action 100+. Dabei wirken wir auf die Politik ein, sodass hier Veränderungen angestoßen werden, die nötig sind, damit der CO2-Ausstoß sinkt. Außerdem arbeiten wir daran, alle unsere Portfolios am 2°C-Szenario der International Energy Agency auszurichten und die Dekarbonisierung zu fördern.

Wie können Investoren die richtigen Fonds und Manager finden?

Sie müssen sowohl auf den Investmentprozess als auch auf das Portfolio achten. Bei BNP Paribas Asset Management ist die Integration von ESG-Faktoren Teil des Prozesses: Wir stellen sicher, dass alle unsere Investmentprozesse die gleichen Standards erfüllen und wir darüber berichten können. Soweit ich weiß, ist das einzigartig in der Branche. Wir wollen, dass unsere Portfolios bessere ESG-Scores haben als ihre Benchmarks. Unsere Investoren sollen diese Strategien besser einschätzen können. Daher wollen wir klar kommunizieren, was wir tun, warum wir es tun und wie wir es tun. Dazu zählt auch eine regelmäßige Berichterstattung über die Ergebnisse.

Was ist für die größte Herausforderung in diesem Bereich? Und was halten Sie für die größte Chance?

Regelmäßige und verlässliche Informationen sind nicht leicht zu bekommen, weil nicht alle Emittenten sie liefern. Die Hälfte der Informationen über CO2-Fußabdrücke sind noch immer Schätzungen. Zum Glück drängen Investoren und Aufsichtsbehörden auf eine gute Unternehmensberichterstattung. Für mich hat der Finanzsektor die große Chance, auf eine CO2-arme, inklusiven Wirtschaft hinzuwirken. Das ist nicht nur eine Chance, sondern eine Pflicht. Wir dürfen uns nicht auf die Zuschauerposition zurückziehen.

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