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Wöchentliches Investment Update – Schwächerer Konjunkturausblick beeinträchtigt die Märkte

Der Ausverkauf an den internationalen Aktienmärkten setzte sich in der letzten Woche fort. Neu ist, dass die Märkte nun auf die Risiken reagieren, dass schwächere Wirtschaftsdaten die Erträge beeinträchtigen. Die realen Anleiherenditen, deren Anstieg den jüngsten Rückgang an den Aktienmärkten auslöste, sind gefallen, da die Anleger eine höhere Wahrscheinlichkeit einer Rezession einpreisen.  

Die Renditen von US-Staatsanleihen sind seit ihrem Höchststand von rund 3,12 % Anfang Mai gesunken (siehe Diagramm 1). Die Rallye wurde durch die Angst vor einer weltweiten Rezession aufgrund schlechter Wirtschaftsdaten, hoher Inflationswerte, aggressiver Äußerungen der Zentralbanker und der Sorge über die Folgen von Covid in China ausgelöst.

Zu den Daten, die in der jüngsten Zeit zur Besorgnis des Rentenmarktes über die Aussichten für die US-Volkswirtschaft beigetragen haben, gehören unter anderem: 

  • Die Umfrage der Richmond Federal Reserve für das verarbeitende Gewerbe, die mit -9 auf ihren niedrigsten Stand seit 2020 fiel.
  • Die von der Federal Reserve Bank of New York durchgeführte monatliche Umfrage unter den Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes im Bundesstaat New York, die auf -11,6 sank, wobei der Wert für die Auslieferungen so schnell zurückging wie zuletzt bei Beginn der Pandemie vor zwei Jahren.
  • Der von der Federal Reserve Bank of Philadelphia im Mai ermittelte Geschäftsklimaindex, der um 15 Punkte auf 2,6 fiel – die Aussichten für die nächsten sechs Monate erreichten den niedrigsten Stand seit Dezember 2008, obwohl die zugrundeliegenden Daten besser waren als der Headline-Wert.
  • Die Verkäufe bestehender und neuer Eigenheime, die im dritten Monat in Folge sanken und ihren niedrigsten Stand seit 2020 erreichten, was auf einen geringen Bestand, steigende Preise und höhere Hypothekenzinsen zurückzuführen ist. 

Insgesamt deuten die verschiedenen regionalen Umfragen der Federal Reserve darauf hin, dass der ISM-Bericht für Unternehmen bei etwa 53 liegen könnte, also über 50, was bedeuten würde, dass sich die US-Wirtschaft immer noch deutlich im Wachstumsbereich befindet. Allerdings lägen diese Zahlen weit unter den Werten im oberen 50er- und unteren 60er-Bereich, an die sich die Märkte gewöhnt haben.

US-Aktien bleiben schwach

Die US-Aktien sind weiterhin schwach, sie verzeichnen in der siebten Woche in Folge einen Abwärtstrend.

Es hat sich gezeigt, dass im Gegensatz zum Jahresbeginn, als steigende reale Anleiherenditen die Aktienmärkte beeinträchtigten, jetzt die Angst vor sinkenden Gewinnen aufgrund einer schwächeren Wirtschaft die Aktien belastet.

In der letzten Woche kam es im Einklang mit der vorherrschenden Risikoaversion vermehrt zu „Buy-the-Dip“- und „Sell-the-Rally“-Transaktionen. Des Weiteren war eine Rotation weg von Wachstums- und zyklischen Werten hin zu Substanz- und defensiven Werten (Gesundheitswesen, Immobilien, Versorger und Basiskonsumgüter) zu beobachten.

Europäische Märkte unter Beschuss

Auch in Europa herrscht eine pessimistische Stimmung vor, und die Anleger reduzieren ihre Engagements in europäischen Aktien.

In der Woche bis zum 18. Mai kam es zu weiteren Abflüssen, womit in der 14. Woche in Folge Abflüsse verzeichnet wurden. Vor allem zyklische Werte waren stark betroffen, allen voran die Sektoren Rohstoffe, Finanzwerte und Energie.

Unser Multi-Asset-Team tendiert angesichts der Verschlechterung der Aussichten dazu, das Engagement in den Aktienmärkten zu reduzieren.

Die Europäische Konjunktur zeigt sich widerstandsfähig

Die Konjunkturindikatoren sind im Mai bisher gesunken, liegen aber weiterhin über 50. Die Aktivität im verarbeitenden Gewerbe hat sich trotz der Auswirkungen des Ukraine-Kriegs und der Unterbrechungen der Lieferketten, die sich durch die Coronavirus-bedingten Lockdowns in China verschärft haben, leicht verbessert.

Obwohl die Unternehmen weiterhin über weit verbreitete Lieferengpässe und eine geringere Nachfrage nach Gütern bei erhöhtem Preisdruck berichten, wird die Wirtschaft der Eurozone durch die aufgestaute Nachfrage nach Dienstleistungen angekurbelt, da die pandemiebedingten Einschränkungen aufgehoben werden.

Zwar deuten die Einkaufsmanagerindizes nach wie vor auf Wachstum hin, doch könnte es sein, dass diese Erhebungen den Schock für die Wirtschaftstätigkeit unterbewerten, während die Stimmungsumfragen ihn wahrscheinlich überbewerten. Die Märkte neigen zunehmend dazu, in den kommenden Quartalen einen Rückgang zu erwarten.

Höhere Lebensmittelpreise

Die Ausfuhrbeschränkungen für ukrainisches Getreide halten an und gehen mit der Gefahr einher, dass die Ernährungsunsicherheit zunimmt, wie das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen betonte.

Da ein Großteil des russischen und ukrainischen Weizens an ärmere Länder geht, könnte eine Hungersnot ein kritisches Risiko darstellen und die politische Instabilität verstärken.

Das Risiko eines weiteren Anstiegs der Lebensmittelpreise wird ein wichtiger Inflationstreiber sein, insbesondere in den Schwellenländern, wobei sich die Situation im schlimmsten Fall erheblich verschlechtern könnte.

Darüber hinaus wird sich das geringere Angebot an Düngemitteln stärker auf die Ernten der nächsten Monate auswirken, während die Weitergabe der höheren Logistik- und Inputpreise die Lebensmittelpreise wahrscheinlich noch weiter in die Höhe treiben wird.

In Kürze …

Das Protokoll der Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (Fed) vom 3. und 4. Mai wird am Mittwoch veröffentlicht.

Allerdings haben sich die Marktbedingungen seit der ersten Zinserhöhung der Fed um 50 Basispunkte merklich verschlechtert, so dass einige der Formulierungen im Protokoll, die sich auf finanzielle Risiken und Marktbedingungen beziehen, überholt sein dürften.

Stattdessen werden wahrscheinlich die drei folgenden Punkte für die Marktteilnehmer im Fokus stehen: 

  • Die Ansichten der Entscheidungsträger zu den Bedingungen, die zu einer Abschwächung des Tempos der Zinserhöhungen auf 25 Basispunkte bei jeder FOMC-Sitzung führen könnten;
  • Hinweise darauf, wie weit und wie lange die Entscheidungsträger beabsichtigen, die Leitzinsen in den restriktiven Bereich zu drücken;
  • Hinweise, die die Erwartungen für die nächste Zusammenfassung der Wirtschaftsprojektionen – auch bekannt als Dot Plot – beeinflussen, die auf der Juni-Sitzung veröffentlicht werden soll. 

Bevorstehende Wirtschaftsdaten

Die Daten zu den persönlichen Einkommen und Ausgaben in den USA für April dürften den Anlegern einen Einblick in das Verhalten der US-Verbraucher geben: Werden die Ausgaben reduziert? Der Bericht könnte auch zeigen, dass der bevorzugte Inflationsindikator der Fed (PCE-Kerndeflator) beginnt, sich zu verlangsamen.

Vielleicht ebenso wichtig ist, dass der Bericht Aufschluss darüber geben dürfte, wie die Verbraucher auf die derzeitige hohe Inflation reagieren, wie sich die Löhne im Verhältnis zur Inflation entwickeln und wie aggressiv die Verbraucher die 2,5 Billionen USD an angesammelten Ersparnissen aus der Zeit der Pandemie anzapfen.

Disclaimer

Bitte beachten Sie, dass diese Artikel eine fachspezifische Sprache enthalten können. Aus diesem Grund können sie für Leser ohne berufliche Anlageerfahrung nicht geeignet sein. Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und basieren auf den verfügbaren Informationen, womit sie ohne vorherige Ankündigung geändert werden können. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen. Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück. Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen. Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

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