BNP AM

Der nachhaltige Investor für eine Welt im Wandel

Wöchentliches Investment Update – eine Zentralbank, zwei Zentralbanken, drei Zentralbanken...

In den letzten Tagen erholten sich die Aktienmärkte aufgrund von Nachrichten über Verhandlungen im Ukraine-Konflikt. Wir wagen keine Prognose über den Ausgang dieser Gespräche, aber unserer Auffassung nach sind die Anleger optimistisch in Bezug auf die Chancen eines diplomatischen Erfolgs. Politische Ergebnisse zu antizipieren ist wahrscheinlich eine schlechte Strategie für kurzfristige Anlageentscheidungen.  

An der geldpolitischen Front stand die Stimmung im Zeichen einer restriktiveren Geldpolitik sowohl seitens der Europäischen Zentralbank (EZB) als auch der US-Notenbank (Fed), was einen Anstieg der langfristigen Renditen zur Folge hatte. Die Fed erhöhte die Zinsen um 25 Bp., woraufhin die Bank of England die Zinsen um denselben Prozentsatz anhob.

Die Märkte hatten mit Zinserhöhungen gerechnet. Aufgrund des Ukraine-Kriegs zeichnete sich ein weiterer Anstieg der bereits hohen Inflation ab, auch wenn sich das Wirtschaftswachstum wahrscheinlich verlangsamen wird.

Am Ende des 16. März belief sich die Rendite auf 10-jährige US-T-Notes auf 2,18%, was einem Anstieg um +23 Bp. innerhalb einer Woche und +36 Bp. seit Ende Februar entspricht. Die Rendite auf 10-jährige Bundesanleihen war auf 0,39% gestiegen, ihr höchstes Niveau seit Mitte November 2018 (siehe Diagramm 1). Zwischen dem 9. und 16. März gewannen internationale Aktien 1,6% hinzu, so dass sich der Verlust seit Monatsbeginn auf -2,1% belief (MSCI AC World Index in US-Dollar).

China – eine Zentralbank, die sich von den anderen abhebt

Während Europa besonders unter dieser geopolitischen Krise leidet, traf die Omikron-Variante BA.1 Asien und erinnerte uns daran, dass die Gesundheitskrise noch nicht vorbei ist. Der Anstieg der Inzidenzen in China führte dazu, dass in Shenzhen, einer an Hongkong angrenzenden Stadt, und in Changchun im Nordosten strenge Ausgangssperren verhängt wurden. Dem neuesten Bericht der Nationalen Gesundheitskommission zufolge wurden am 15. März in mehr als einem Dutzend chinesischen Provinzen und Städten 1.952 neue nicht importierte symptomatische Fälle verzeichnet.

Die Behörden sind sich der Auswirkungen ihrer Null-Covid-Politik auf das Wirtschaftswachstum und die Finanzmärkte bewusst: Der Yuan verlor an Wert und der CSI 300 Index fiel auf seinen niedrigsten Stand seit Juni 2020, auch wenn zusätzliche Faktoren für diese Entwicklungen mitverantwortlich sind. Die Bekanntgabe des ambitionierten Zielwerts für das BIP-Wachstum von 5,5% im Jahr 2022 letzte Woche und der Schwerpunkt auf der Bedeutung der „Stabilisierung“ des Wachstums deuten auf weitere fiskalische und geldpolitische Unterstützung hin, um die Belastung durch die Pandemie auszugleichen.

Seit der Leitzinssenkung im Januar behielt die People’s Bank of China (PBoC) eine „angemessen reichliche“ Liquidität des Bankensystems bei. Jetzt wird jedoch mit weiteren Senkungen gerechnet. Am 16. März wies der stellvertretende Premierminister Liu He auf marktfreundlichere Strategien hin, darunter eine Lockerung der Vorschriften, insbesondere im Technologiesektor.

Andernorts stehen geldpolitische Straffungen auf der Tagesordnung

Während die Lockerung der PBoC hervorsticht, könnte man geltend machen, dass die aktuelle geopolitische Situation und das damit verbundene Risiko einer Wachstumsabschwächung auch in anderen Ländern eine vorsichtigere Haltung rechtfertigen.

Bis heute hat die EZB ihren Einlagenzins bei -0,50% belassen, aber sie signalisierte Anfang des Monats, dass sie ihre Anleihekäufe schneller als bisher geplant reduzieren werde. Das PEPP (Pandemie-Notfallankaufprogramm) soll bis Ende des Monats auslaufen, während die Ausweitung des APP (Wertpapierkaufprogramm) begrenzter ausfallen wird.

Aufgrund dieser Ankündigungen und der Kommentare der EZB, dass die erste Zinserhöhung „irgendwann nach“ dem Ende der Nettoanleihenkäufe stattfinden wird, gehen Beobachter davon aus, dass die erste Zinserhöhung am Ende des 3. Quartals oder zu Beginn des 4. Quartals stattfinden wird und der Einlagenzins bis Ende 2022 wieder auf 0% ansteigen wird.

Auch wenn wir unsere Prognose für das BIP-Wachstum für 2022 jetzt (von bisher 4,2% auf 2,8%) revidiert haben und der Auffassung sind, dass Abwärtsrisiken für das Wachstum und Aufwärtsrisiken für die Inflation bestehen, rechnen wir mit einer ersten Leitzinserhöhung im Dezember 2022 und einer weiteren Normalisierung der Geldpolitik im Jahr 2023.

Durch die Gewährleistung einer größeren Entscheidungsfreiheit für die EZB durch Anwendung eines datenunabhängigen Ansatzes könnte die Kommunikation der EZB in den kommenden Monaten erleichtert und Überinterpretationen von etwaigen Haltungsänderungen vermieden werden.

Die Fed ist leichter vorhersehbar als die EZB

Wie weithin erwartet, wurde bei der Sitzung des Offenmarktausschusses der Fed (FOMC) am 16. März eine Anhebung des Leitzinses (Federal Funds Target Rate) um 25 Bp. beschlossen. Nur der Präsident der St. Louis Federal Reserve, James Bullard, der sich in den letzten Wochen deutlich für eine restriktivere Haltung ausgesprochen hatte, stimmte für eine Zinserhöhung um 50 Bp.

Der „Dot Plot“, der die Einschätzung des FOMC zur künftigen Zinsentwicklung widerspiegelt,, zeigt nun vier geplante Zinserhöhungen im Jahr 2022, zusätzlich zu den bereits in der letzten Dezemberausgabe angekündigten, woraus sich ein Median-Zinssatz von 1,875% ergibt. Die zusätzlichen Zinserhöhungen sind trotz der Abwärtskorrektur des BIP-Wachstums von 4,0% auf 2,8% (Q4, Veränderung im Jahresvergleich) geplant. Die Fed rechnet immer noch mit einer niedrigen Arbeitslosigkeit (3,5% Ende 2022 und 2023, 3,6% Ende 2024), aber mit einer über dem Zielwert liegenden Inflation (gemessen am Preisindex der privaten Konsumausgaben ohne Lebensmittel- und Energiepreise) von 4,3% im Q4 2022 bzw. 2,7% Ende 2023.

Für uns ist die Botschaft klar: Trotz der negativen Auswirkungen einer höheren Inflation auf die Wirtschaft dürfte die Inlandsnachfrage in den USA in den kommenden Jahren stark bleiben und das BIP-Wachstum wird über seiner Potenzialrate liegen. Der Inflationsdruck, der nicht ausschließlich auf höhere Energiekosten zurückzuführen ist, rechtfertigt eine geldpolitische Straffung vollkommen.

Das Tempo könnte sogar noch erhöht werden, wie Fed-Chef Jerome Powell signalisiert hat. Darüber hinaus wies er darauf hin, dass das „passive Auslaufen“ fällig werdender Vermögenswerte in der Bilanz bereits im April beginnen könnte.

Die nächste Frage wird lauten, inwieweit die Straffung der Geldpolitik das Wachstum verlangsamen wird. Vorerst sieht es jedoch danach aus, dass die Anleiherenditen sowohl in den USA als auch in der Eurozone weiter steigen werden.

Disclaimer

Bitte beachten Sie, dass diese Artikel eine fachspezifische Sprache enthalten können. Aus diesem Grund können sie für Leser ohne berufliche Anlageerfahrung nicht geeignet sein. Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und basieren auf den verfügbaren Informationen, womit sie ohne vorherige Ankündigung geändert werden können. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen. Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück. Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen. Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

Ähnliche Erkenntnisse

Wöchentliches Investment Update – Die Europäische Zentralbank tritt auf den Plan
Wöchentliches Investment Update – Die Inflation, Dreh- und Angelpunkt
15:58 MIN
Talking Heads – Börsennotierte Immobilien in die engere Auswahl ziehen
Daniel Morris
2 Autoren - Blog