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Auf der Suche nach Indexstrategien mit niedrigem CO2-Fußabdruck

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Claus Hecher
 

Anleger suchen vermehrt Indexstrategien mit einem niedrigen CO2-Fußabdruck. Diese Strategien berücksichtigen vornehmlich Unternehmen, die entweder wenig Energie verbrauchen oder deren Produkte einen vergleichsweise geringen Anteil an Öl, Kohle und Gas benötigen. Betrachten wir zunächst die Rolle der Europäischen Union im Kampf gegen die globale Erwärmung. Die EU hat angefangen, das Ziel der CO2-Neutralität bis 2050 gesetzlich zu verankern. Darüber hinaus gibt es drei mittelfristige Ziele, mit denen die EU diese Entwicklung weiter vorantreiben will. So sollen die Treibhausgasemissionen in Europa um 40 % gegenüber dem Stand von 1990 verringert werden (vorgeschlagenes neues Ziel: 50 %). Ferner soll der Anteil der erneuerbaren Energien auf mindestens 32 % (neues Ziel 40 %) gesteigert werden. Drittens soll die Energieeffizienz um 32,5 % (neu: 40 %) verbessert werden.

Um dies zu erreichen, wären jährliche Mittel zwischen 175 und 290 Mrd. Euro erforderlich. Diese Summe ist nur aufzubringen, wenn der öffentliche und der private Sektor einschließlich der Finanzbranche an einem Strang ziehen. Die von der Europäischen Kommission 2018 eingesetzte technische Sachverständigengruppe für nachhaltige Finanzen legte im März 2020 neue Vorschläge vor. Sie bezogen sich insbesondere auf die Taxonomie zur Klassifizierung nachhaltiger Wirtschaftstätigkeiten und die Schaffung von zwei neuen Indextypen, die mit den Zielen des Pariser Abkommens und dem EU-Ziel der CO2-Neutralität korrespondieren und dazu beitragen, dem Risiko des Greenwashing zu begegnen.

Die Climate Transition Benchmark (CTB) und die Paris Aligned Benchmark (PAB) verfolgen beide ein ähnliches Ziel. Die PAB ist jedoch auf ehrgeizigere Investitionsstrategien ausgelegt und hat strengere Ausschlusskrite
rien im Zusammenhang mit fossilen Brennstoffen. Ziel der CTB ist es, den CO2-Fußabdruck im Vergleich zum Anlageuniversum um rund 30 % zu reduzieren. Bei einer PAB geht es um 50 %.

Beide Indextypen sehen einen Mechanismus vor, um den CO2-Fußabdruck des Portfolios um mindestens 7 % pro Jahr weiter zu reduzieren. Dies steht im Einklang mit der 1,5-Grad-Zeitschiene des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) und entspricht dem EU-Ziel der CO2-Neutralität. Dazu wird bei der Definition der Indizes davon ausgegangen, dass die Gewichtung der Sektoren, die stark vom Klimawandel betroffen sind, mindestens der des Referenzuniversums entspricht.

Ausgeschlossen sind Unternehmen, deren Tätigkeit unmittelbar mit fossilen Brennstoffen in Zusammenhang steht, also die Suche nach fossilen Energieträgern sowie deren Abbau und Verarbeitung und die Stromerzeugung. Dabei kommen je nach Rohstoff unterschiedliche maximal erlaubte Umsatzgrenzen zur Anwendung: für Kohle 1 %, für Öl 10 %, für Erdgas sowie Stromerzeugung mit einer Kohlenstoffintensität der Treibhausgas-Emissionen von über 100 g CO2 pro kWh jeweils 50 %.

Schließlich wird die schrittweise Implementierung für die unter Scope 3 zugeordneten Treibhausgas-Emissionen gemäß bis 2024 verbindlich. Scope ist eine Einteilung der Emissionen nach dem Greenhouse Gas Protocol (GHG), die bei der Kategorisierung des CO2Fußabdrucks relevant ist. Während Scope 1 alle direkten, das heißt selbst durch Verbrennung in eigenen Anlagen erzeugten Emissionen umfasst, werden mit Scope 2 alle Emissionen beschrieben, die mit eingekaufter Energie (z. B. Elektrizität, Fernwärme) verbunden sind. Scope 3 wiederum umfasst die indirekten Treibhausgas-Emissionen (z. B. durch Geschäftsreisen oder durch gekaufte Waren und Dienstleistungen).

Der Low Carbon 100 Europe Index ist eine Benchmark, die bereits 2008 von der Börse Euronext eingeführt wurde und seitdem in einer Indexstrategie von BNP Paribas Asset Management nachgebildet wird. Er bildet die Wertentwicklung von 100 europäischen Unternehmen ab, die anhand ihrer Freisetzung von CO2-Emissionen in ihrem jeweiligen Sektor positiv bewertet werden. Diese werden aus einem Anlageuniversum von 300 Firmen ausgewählt, die gemessen an ihrem Streubesitz zu den Großen zählen und keinen umstrittenen Tätigkeiten nachgehen. Auch abgesehen vom Rüstungssektor, der Tabakherstellung sowie der Luft- und Raumfahrtindustrie dürfen die Unternehmen keine unbefriedigende ökologische, soziale oder unternehmenspolitische Bilanz haben. Euronext selektiert auf Basis der Analysedaten 85 bis 90 Unternehmen aus dem oben genannten Ausgangsuniversum. Hinzu kommen weitere 10 bis 15 Firmen, die für das Thema Energiewende stehen. Ein wissenschaftlicher Ausschuss unabhängiger Experten wählt diese “grünen” Werte einmal pro Jahr anhand von zwei Kriterien aus: Sie müssen mindestens 50 % ihres Umsatzes mit CO2-armen Technologien erwirtschaften und zu einem der folgenden sechs Sektoren gehören: alternative Energien, Bau, Strom, elektrische und elektronische Ausrüstung, industrielles Engineering und Verkehr. Euronext als Indexanbieter und Lizenzgeber ist dafür verantwortlich, den Index an die Anforderungen der PAB anzupassen. Auf Basis der Datengrundlage der beiden französischen Research-Häuser Carbon Disclosure Project (CDP) und Carbon 4 wird von dem Marktbetreiber sichergestellt, dass der Low Carbon 100 Europe Index konform ist. Der CO2Fußabdruck des Low Carbon 100 Europe Index lag bereits bei rund 50 % des Wertes seines Anlageuniversums. Um das Ziel einer Halbierung der Kohlenstoffintensität gegenüber dem Invest
mentuniversum zu erreichen, wird in einem maximal dreistufigen iterativen Prozess das Gewicht der CO2-intensiven Unternehmen um jeweils 10 % reduziert. Darüber hinaus wurden die drei Bereiche und Ausschlüsse, die sich auf fossile Brennstoffe beziehen, bereits ins Regelwerk aufgenommen. Die Methodik wird nun angepasst, um dem
oben genannten Ziel einer jährlichen Reduzierung des CO2-Fußabdrucks um 7 % Rechnung zu tragen.

Low carbon Index

Claus Hecher, Leiter ETF & Indexlösungen (D/A/CH) bei BNP Paribas Asset Management

Artikelquelle : Börsen-Zeitung vom 14.05.2020
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