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Wöchentliches Markt-Update – Anleger sollten auf die Zentralbanken hören

Seit Mitte Juli stehen die Anlegerinnen und Anleger vor einem Rätsel: Die Inflation ist hoch und es gibt erste Anzeichen für eine nachlassende Wirtschaftsaktivität. Die verfügbaren Indikatoren sind keine große Hilfe, doch die Botschaften der Zentralbanken – und die daraus resultierenden Entscheidungen – sind mehr als deutlich: Die Inflation ist zu hoch, und das dürfte so bleiben. Deshalb ist eine entschlossene Reaktion notwendig.   

Die Inflation in Großbritannien lag im Juli weit über den Erwartungen. Die Gesamtinflation stieg auf 10,1 % zum Vorjahr (nach 9,4 % im Juni), und die Kerninflation kletterte von 5,8 % auf 6,2 %.

Unterdessen hob die Reserve Bank of New Zealand den Leitzins um weitere 50 Basispunkte (Bp.) auf 3,0 % an und erklärte: „Der Ausschuss war sich einig, dass es nach wie vor angemessen ist, die Geldpolitik weiter zügig zu straffen.“ Die RBNZ korrigierte ihre Inflations- und Leitzinsprognosen nach oben.

Die norwegische Zentralbank Norges Bank erhöhte ihren Leitzins ebenfalls um 50 Bp, weil die Inflation viel höher als erwartet – und klar über der Zielvorgabe – lag.

US-Notenbank: Mission noch lange nicht erfüllt

Das Protokoll der geldpolitischen Sitzung der US-Notenbank (Fed) vom 26. und 27. Juli bestätigte, dass die Fed ihre Mission noch längst nicht als erfüllt betrachtet.

Gleichwohl schlug sie keine besonders restriktiven Töne an, und die Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) der Fed erwägen, die Leitzinsen „irgendwann“ langsamer zu erhöhen. Dies könnte bedeuten, dass sie wahrscheinlich nicht noch einmal um 75 Bp wie im Juni und Juli angehoben werden. Sie sind allerdings auch davon überzeugt, dass die Inflation „noch geraume Zeit unangenehm hoch“ bleiben wird. Deshalb wird der FOMC versuchen, das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) unter das Trendniveau zu drücken.

Die Anleihemärkte reagieren

Die Rendite der 10-jährigen britischen Staatsanleihe (Gilt) stieg um 16 Bp, was auch die Zinsen in der Eurozone höher trieb (die Rendite der 10-jährigen deutschen Bundesanleihe erhöhte sich um 11 Bp auf 1,08 %, den höchsten Stand seit dem 21. Juli).

In den USA schloss die Rendite der 10-jährigen T-Note bei 2,90 % auf dem höchsten Stand seit dem 20. Juli, während die 2-jährige Rendite 3,28 % und damit das höchste Niveau seit dem 14. Juni erreichte.

Und die EZB? In einem Interview brachte Isabel Schnabel, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB), ihre Sorge über die Inflation zum Ausdruck und zog ein Fazit, das anscheinend viele Zentralbankangehörige teilen: „Selbst wenn [die Eurozone] in eine Rezession [eintritt], ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass der Inflationsdruck von selbst abklingen wird.“

In den USA hat der Vorsitzende der Federal Reserve Bank of Richmond denselben Gedanken noch deutlicher geäußert und gesagt, die Fed müsse die Zinsen solange anheben, bis klar sei, dass die Inflation auf ihr 2 %-Ziel sinkt – auch wenn sich dadurch die Konjunktur abschwächt.

Wir sind davon überzeugt, dass sich diese Aussagen mit unseren Annahmen bezüglich des geldpolitischen Zyklus der Fed decken: Dass sie die Zinsen weiter anhebt, wenngleich langsamer, und den endgültigen Zinssatz (nach unseren Schätzungen 4 %) im nächsten Jahr die meiste Zeit stabil halten wird.

Wachstum: für längere Zeit langsamer 

Vor einem Monat war die Lage noch eine ganz andere. Mehrere Einkaufsmanagerindizes (PMIs) für Juli lagen unter 50, was eine Rally der langfristigen Anleiherenditen auslöste. Die vorläufigen Zahlen für August dürften in der nächsten Woche veröffentlicht werden und die Konsensschätzungen weisen nicht auf eine wesentliche Verbesserung hin. 

Die Reaktion der Märkte auf diese PMIs könnte die Zentralbanken auf die Probe stellen: Falls die Anleiherenditen erneut sinken, weil die Anleger das Rezessionsrisiko als bedeutender ansehen als den Inflationsdruck, wird die Geldpolitik weitere Erklärungen präsentieren müssen. Auch hier scheint es wieder so zu sein, dass man durch Wiederholung am besten lernt.

Das jährliche Symposium in Jackson Hole, das vom 25. bis zum 27. August stattfindet, wird dem Fed-Vorsitzenden Jerome Powell und seinen Kollegen eine weitere Chance bieten zu erläutern, wie wichtig es ist sicherzustellen, dass die Inflationserwartungen verankert sind.

Dies ist umso wichtiger, weil die Schwierigkeiten rund um die Energieversorgung mit großer Wahrscheinlichkeit im Laufe dieses Jahres einen starken Rückgang der Aktivität in der Eurozone auslösen könnten, obwohl das BIP in der ersten Jahreshälfte ein robustes Wachstum verzeichnet hatte. Die US-Wirtschaft wird Erwartungen zufolge erst im Jahr 2023 eine echte Rezession erleben, also eine Phase mit einem Wachstum unterhalb des Potenzials.

China

Die harten Konjunkturdaten aus China für Juli enttäuschten und zeigten eine nachlassende Aktivität gegenüber Juni. Der leichte Rückgang der Industrieproduktion ging zum Teil auf Stromausfälle zurück. Die Einzelhandelsumsätze waren viel niedriger als erwartet (+2,7 % zum Vorjahr gegenüber der Konsensschätzung von 5 % und einem Anstieg um 3,1 % im Juni). Die pandemiebedingten Beschränkungen, die Anfang Juli verhängt worden waren, wurden als Ursache für die schwachen Zahlen angesehen.

Dem waren eine Verlangsamung des BIP-Wachstums im 2. Quartal (0,4 % zum Vorjahr nach 4,8 % im 1. Quartal) und eine enttäuschende Kreditvergabe vorausgegangen.

Vor diesem Hintergrund gab die People’s Bank of China eine Senkung der einjährigen Kreditzinsen um 10 Bp auf 2,75 % und des 7-tägigen Reverse-Repo-Satzes auf 2,0 % bekannt.

Uns ist klar, dass für die chinesischen Behörden weiterhin das Wachstum zu unterstützen Priorität hat. Gründe dafür sind die zunehmenden Schwierigkeiten im Immobiliensektor und die Null-Covid-Strategie, die auch im nächsten Jahr weiter Bestand haben dürfte, es sei denn, es wird ein neuer mRNA-Impfstoff entwickelt oder die Booster-Kampagne mit Sinovac nimmt deutlich Fahrt auf.

Was sollten Anleger nun tun?

Nach der kräftigen Rally im Juli sind die Renditen globaler Aktien im Berichtsmonat niedriger ausgefallen (2,7 % per 17. August nach 6,9 % im Juli für den MSCI AC World Index in US-Dollar). Die Gewinne schmelzen aber allmählich, weil sich der Rückgang der langfristigen Anleiherenditen teilweise umkehrt.

Da wir davon ausgehen, dass die Anleiherenditen sich weiter korrigieren, entscheiden wir uns für eine deutlich kürzere Dauer. Tatsächlich haben wir unsere Short-Positionierung in Euro-Staatsanleihen in der letzten Woche verstärkt.

Wir sind davon überzeugt, dass unsere neutrale Haltung gegenüber Aktien gerechtfertigt ist, weil trotz der Unsicherheit über die gesamtwirtschaftlichen Aussichten weiterhin Optimismus in Bezug auf das künftige Gewinnwachstum besteht.

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