IC_20180306_448507129_630x215
Aktuelle nachrichten

Auswirkungen der Handelskonflikte zwischen China und den USA

March 12, 2018 - Chi Lo, Senior Economist for China

Von Seiten der USA scheint sich das Potenzial für wirtschaftliche Spannungen zwischen den USA und China zu verstärken. Ende 2017 wurden US-Strategiepapiere über nationaler Sicherheit, Verteidigung und Handel veröffentlicht, in denen China erstmals als strategischer Wettbewerber eingestuft wird. Damit wichen die USA von ihrer seit langem bestehenden Politik für ein konstruktives Engagement ab.

In unserem Basisszenario gehen wir weiter davon aus, dass es nicht zu einem ausgewachsenen Handelskrieg zwischen China und den USA kommen dürfte1. Allerdings könnten bereits Handelskonflikte langfristige Folgen für den Welthandel, die Investitionsströme und das politische Machtgleichgewicht im Asien-Pazifik-Raum haben.

Von den kurzfristigen Folgen wären die weltweiten Märkte wahrscheinlich in unterschiedlichem Maße betroffen. China würde wohl weit weniger in Mitleidenschaft gezogen als von US-Präsident Trump angenommen, aber die Kollateralschäden für die regionalen Volkswirtschaften Asiens könnten beträchtlich ausfallen. Die daraus resultierenden Folgen für die Vermögensallokation würden sich auf die Finanzmärkte der Region auswirken.

Das hartnäckige US-Handelsdefizit mit China

Das hartnäckige US-Handelsdefizit ist der wunde Punkt in den Handelskonflikten zwischen den USA und China. Es übersteigt das zweitgrößte bilaterale Handelsdefizit der USA mit Mexiko um das Fünffache. Zudem ist Chinas Handelsüberschuss gegenüber den USA auf ein Rekordniveau gestiegen, während sein Überschuss gegenüber der übrigen Welt zurückging (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Chinas Handelsbilanz (Daten auf gleitender Zwölfmonatsbasis)

Abbildung1-3

Quelle: CEIC, BNP Paribas Asset Management (Asia)

Daher ist Präsident Trump der Meinung, dass er triftige Gründe für eine kompromisslose handelspolitische Haltung gegenüber China hat, und die Entwicklung scheint in diese Richtung zu gehen. Nachdem Ende Januar dieses Jahres Einfuhrzölle in Höhe von 30% auf Solarmodule und 20% auf Waschmaschinen erhoben wurden, unterbreitete das US-Handelsministerium Mitte Februar den Vorschlag, hohe Zölle oder Quoten für Stahl- und Aluminiumimporte in die USA einzuführen. China ist der weltgrößte Produzent dieser beiden Rohstoffe.

 

Die Kollateralschäden der Handelskonflikte

An den Finanzmärkten werden diese Schritte als Beleg für die protektionistische Wirtschaftspolitik von Präsident Trump betrachtet2. Bruttohandelsdaten können jedoch irreführend sein, denn bei über einem Drittel der chinesischen Exporte, darunter auch Exporte in die USA, handelt es sich um Waren, bei denen China zwar an der Wertschöpfung beteiligt war, die aber überwiegend in anderen asiatischen Ländern hergestellt wurden.

Das bedeutet, dass der wachsende US-Protektionismus, wie er in den Handelskonflikten zwischen China und den USA zum Ausdruck kommt, anderen Volkswirtschaften schaden könnte, die benötigte Teile und Komponenten nach China liefern. Die möglichen Kollateralschäden lassen sich schätzen, indem man den Wertschöpfungsanteil von den Bruttoexporteinnahmen Chinas abzieht und ihn wieder den ursprünglichen Herkunftsländern zuordnet, um deren eigentliche Exporteinnahmen aus den USA zu ermitteln.

Das Ergebnis ist eindeutig: Eine Verschärfung der protektionistischen Handelspolitik der USA würde den meisten der exportorientierten asiatischen Volkswirtschaften erheblichen Schaden zufügen, denn sechs der zehn am stärksten betroffenen Länder liegen in Asien (siehe Abbildung 2). Der Schaden für China ist eher gering. Was die Vermögensallokation betrifft, wäre China unter sonst gleichen Bedingungen bei einer Verschärfung der Handelskonflikte zwischen China und den USA wohl der am wenigsten betroffene asiatische Markt.

Eine Marktanalyse3 kommt ebenfalls zu dem Ergebnis, dass die folgenden Branchen in den asiatischen Ländern, die sich am stärksten im Handel mit den USA engagieren, wohl am meisten unter den handelspolitischen Maßnahmen der USA zu leiden haben werden: Textilien, Leder und Schuhwaren (Vietnam), Computer und Elektronik (Taiwan und Malaysia) sowie Chemikalien und Mineralölerzeugnisse (Singapur).

Abbildung 2: Eigentliche Exporteinnahmen aus den USA gegenüber Einnahmen aus Direktexporten in die USA aus Direktexporten in die USA (2016)

Abbildung2-1

* Exporte zur Deckung der US-Binnennachfrage, ohne Waren, die von den USA in Drittländer reexportiert werden. Quelle: UN Comtrade, Eurostat, TiVA-Datenbank der OECD/WTO, IWF, nationale Statistiken, CEIC, Nomura, BNP Paribas Asset Management (Asia), Stand: 21.02.2018

 

Die strategischen Erwägungen der USA

Die USA scheinen es ernst zu meinen. 2017 wurde die US-Handelspolitik dem Ziel untergeordnet, die Unterstützung Chinas bei der Bewältigung der Nordkoreakrise zu gewinnen und Steuersenkungen durchzusetzen. Nun, da sich die Krisenlage in Nordkorea stabilisiert hat und das Steuergesetz verabschiedet ist, hat eine kompromisslose Handelspolitik höhere Priorität auf Präsident Trumps politischer Agenda.

Trump und viele US-Regierungsvertreter denken offenbar, dass Chinas Wachstum noch immer stark vom Außenhandel abhängig ist und das Land ein derart anfälliges Finanzsystem hat, dass sich China durch einseitigen Druck aus den USA dazu bewegen ließe, sich ihren Forderungen zu beugen. Meiner Ansicht nach überschätzen sie die Möglichkeiten der USA, China ihren Willen aufzuzwingen, und sie haben ein veraltetes Bild der chinesischen Wirtschaftsstruktur. Seit 2009 liegt der Beitrag der Nettoexporte zum chinesischen BIP-Wachstum größtenteils bei null oder im negativen Bereich (siehe Abbildung 3). Das deutet darauf hin, dass die Volkswirtschaft den Übergang von einem exportgestützten zu einem von der Binnennachfrage getragenen Wachstum bereits vollzogen hat.

Abbildung 3: Beitrag der BIP-Komponenten zum Wachstum in China

Abbildung3

Nettoexporte = Instrument zur Unterstützung des Wachstums; haben in den letzten Jahren nicht zum Wachstum beigetragen. Quelle: CEIC, BNP Paribas Asset Management (Asia), Stand: 21.02.2018

 

Die tatsächliche Lage in China

Aus Marktuntersuchungen geht hervor, dass ein dauerhafter Rückgang der chinesischen Exporte in die USA um 10% zu einer Verringerung des chinesischen BIP‘s um ca. 0,3% führen würde. Dieser Betrag ist zwar hoch, kann jedoch problemlos durch nationale Infrastrukturinvestitionen und/oder eine Steigerung der chinesischen Exporte in andere Märkte im Rahmen der Initiative „Neue Seidenstraße“ ausgeglichen werden.

Darüber hinaus gelingt es China inzwischen deutlich besser, durch inländische Innovationskraft für Wachstum zu sorgen. Hinter der wirtschaftspolitischen Initiative „Made in China 2025“ zur Modernisierung der Industrie stehen neben konventionellen Subventionen zudem staatliche Risikokapitalfonds mit einem Kapital von mehreren hundert Milliarden US-Dollar.

Für die meisten ausländischen Anleger stellt sich die Frage, ob sie angesichts eines intransparenten Systems mit belastenden Vorschriften und fehlendem Marktzugang noch bereit sind, Geld in China zu investieren. Die ausländischen Direktinvestitionen (ADI) in China sind 2017 gemäß den Vereinten Nationen um fast 10% uf 144 Milliarden USD gestiegen, während sich der weltweite Gesamtbetrag ausländischer Direktinvestitionen um 16% auf 1,52 Billionen USD verringert hat. Solange China die wachstumsstärkste große Volkswirtschaft der Welt bleibt, stehen die Chancen gut, dass die Anziehungskraft seines großen Marktes, seine dynamische Entwicklung und Fortschritte bei Wirtschaftsreformen schwerer wiegen als Beschwerden über mangelnde Chancengleichheit und die Angst vor dem Abfluss von technologischem Wissen.

 

Die Risiken der Handelskonflikte

Auf kurze Sicht würde anhaltender wirtschaftlicher Druck der USA auf China den Eindruck untermauern, dass die USA eine langfristige Strategie zur Verringerung ihres Handelsdefizits verfolgen und bei der Umsetzung dieses Ziels möglicherweise auf einen schwachen US-Dollar setzen.

US-Finanzminister Steven Mnuchin ließ Ende Januar eben diese Befürchtung aufkommen, als er sich zu den Vorteilen eines schwachen US-Dollars äußerte. Hochrangige US-Regierungsvertreter bekräftigten danach zwar eilig die Politik eines starken Dollars, aber der Markt ist skeptisch geworden, denn die Verringerung des Handelsdefizits ist nun ein erklärtes politisches Ziel von Präsident Trump. Die Analysen einer US-amerikanischen Expertenkommission zeigen, dass für eine Verringerung des aktuellen US-Leistungsbilanzdefizits von 4% auf 2–3% des US-BIP eine Abwertung des realen US-Dollar-Wechselkurses um 10% notwendig wäre.

Längerfristig sind offenbar sowohl China als auch die USA bestrebt, die globalisierten Produktionsketten, die sich in den letzten dreißig Jahren herausgebildet haben, ins eigene Land zu verlagern. China tut dies, indem es Importe ersetzt, um den Auslandsanteil seiner Industriestrukturen zu senken, und die USA setzen dabei auf ihre „America first“-Strategie. Selbst ein Teilerfolg dieser Initiativen könnte Nachteile mit sich bringen.
Zum einen dürfte die Zerschlagung der globalen Lieferketten zu einer Rückkehr der Inflation führen, da sie den inflationsdämpfenden Kräften der Globalisierung entgegenwirkt.
Zum anderen fördern grenzüberschreitende Produktionsketten meiner Meinung nach Frieden und Stabilität, denn sie sorgen dafür, dass mehr auf dem Spiel steht, falls bewaffnete Konflikte ausbrechen sollten. Durch eine Rückkehr zu inländischen Produktionsstrukturen wären große Länder möglicherweise versucht, ihre Konflikte gewaltsam zu lösen. Es wäre zwar verfrüht, sich Sorgen zu machen, aber die Möglichkeit ist beunruhigend.

Schwierigkeiten für asiatische Währungen

Allgemein betrachtet ergibt sich aus dem Protektionismus der USA ein Risiko für asiatische Währungen. Sie würden unter Abwertungsdruck geraten, sobald der Handel zurückgeht und die politischen Entscheidungsträger im Land zu wachstumssichernden Maßnahmen greifen. Sollte der US-Dollar allerdings trotz der erwarteten Zinsanhebungen der Fed schwach bleiben, würde dies das Protektionismusrisiko für asiatische Währungen verringern und asiatischen Zentralbanken sogar die Möglichkeit geben, mit etwas zeitlichem Abstand zur Fed die Zinsen zu erhöhen.

Die relative Stärke dieser beiden Kräfte ist nicht bekannt. Es kommt sehr darauf an, in welche Richtung sich der US-Dollar entwickelt, und das wiederum richtet sich danach, ob die Fed die Zinsen stärker und/oder schneller als derzeit erwartet anhebt.

  • 1. „Chi Time: Trump and China and the Potential Surprises“, Stand: 05.01.2017
  • 2. Präsident Trump muss gemäß US-Handelsrecht bis Mitte April dieses Jahres eine Entscheidung über die vorgeschlagenen Zölle und Quoten für Stahl und Aluminium treffen.
  • 3. The Impact of US Trade Protectionism Centring on China“, Asia Special Report, Nomura, 23.03.2017

Quelle: Investors Corner

 

Mehr zu diesem Thema

2896388101
January 24, 2018

INVESTMENTAUSBLICK 2018 – HOCHWASSER

In diesem Umfeld könnten uns weiterhin gute Zeiten bevorstehen,vor allem, weil sich viele Investoren nicht vom „Wohlfühlfaktor“ beirren lassen. Die nur schwache Begeisterung ist nachvollziehbar. Die Bewertungen risikobehafteter Assetklassen beruhen auf guten Wachstumserwartungen (sowohl in den Industrieländern als auch in den Emerging Markets) und weiterhin niedrigen Zinsen bei schwacher Inflation im Jahr 2018.

December 26, 2017

Der entscheidende Faktor

Der Markt für Smart-Beta-ETFs boomt. Doch welche Produkte sind wirklich clever? FOCUS-MONEY löst das Rätel und weiß, worauf es wirklich ankommt

November 3, 2017

VERLÄSSLICHE QUELLE FÜR ZUSATZERTRÄGE

Um irrationale Anlageentscheidungen zu umgehen, wurden Ansätze entwickelt, die rein systematisch vorgehen und mittels quantitativer Modelle unterschiedliche Faktoren bei der Titelauswahl berücksichtigen. Erste empirische Grundlagen zum Factor Investing stammen aus den frühen Siebzigerjahren. Die Anlagestile werden immer beliebter und auch ETF-Anbieter offerieren zunehmend Anlagelösungen. Die B2B-Redaktion interessierte sich für aktuelle Trends und sprach mit Claus Hecher von BNP Paribas Asset Management über den Smart Beta-Markt und worauf Investoren beim Einsatz von Faktor-ETFs achten sollten.

„INDEXMANAGEMENT UND NACHHALTIGE VERMÖGENSVERWALTUNG LASSEN SICH DURCHAUS MITEINANDER VEREINBAREN“

Nachhaltige Vermögensverwaltung und Indexmanagement standen in der Vergangenheit oft im Gegensatz zueinander. Doch heute ist die Sichtweise weniger schwarzweiß. Immer mehr Anleger wissen, dass sich Indexmanagement und sozial verantwortliches Investieren bei einer Anlage in einen Indexfonds oder ETF durchaus miteinander vereinbaren lassen. Gut ist auch die Nachricht, dass eine indexierte Vermögensverwaltung eine Vielzahl von SRI- oder ESG-Lösungen bieten kann, die den Überzeugungen des betreffenden Anlegers Rechnung tragen.

Diese Seite teilen

Fondsanlagen sind den Schwankungen des Marktes ausgesetzt und unterliegen den mit Wertpapieranlagen behafteten Risiken. Der Wert der Anlagen und die daraus resultierenden Erträge können sowohl steigen als auch fallen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den investierten Gesamtbetrag zurück. Die beschriebenen Fonds unterliegen einem Kapitalverlustrisiko. Eine Definition und eine detailliertere Beschreibung der Risiken finden Sie im Prospekt und in den wesentlichen Anlegerinformationen des Fonds. Vor einer Zeichnung sollten Sie die aktuellen Versionen beider Dokumente lesen, die Sie kostenlos auf unserer Website www.easy.bnpparibas.de herunterladen können. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist keine Garantie für die künftige Wertentwicklung. Die enthaltenen Informationen stellen keine auf Ihre individuellen Bedürfnissen ausgerichteten Empfehlungen zum Kaufen, Halten oder Verkaufen eines Finanzprodukts dar.